close
Zinsswaps – Richter bestätigen: Banken ziehen Kunden über den Tisch

Zinsswaps – Richter bestätigen: Banken ziehen Kunden über den Tisch

Nach Ansicht des Stuttgarter Oberlandesgerichts (OLG) handelt es sich bei sogenannten Zinsswaps um „eine Art Glücksspiel“ für den Kunden.

Die Deutsche Bank musste sich schweren Vorwürfen vom Oberlandesgericht Stuttgart (OLG) ausgesetzt sehen und außerdem über 1,5 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Der Schadenersatz ist an ein größeres mittelständisches Unternehmen zu leisten. Von diesen Geschäften sind hunderte Kommunen und Unternehmen betroffen.

Die Richter des Oberlandesgerichts haben die Deutsche Bank hart ins Gebet genommen. Sie bezeichneten das Geschäft mit dem Mittelständler als reines Glücksspiel, bei dem die Bank gegen den Kunden spielen würde, denn hier würde ein Gewinn aus einem zwangsläufigen Verlust des Gegners gezogen.

Als Gegner bezeichnen die Richter in diesem Fall das mittelständische Unternehmen. Dabei hat der Chef des Unternehmens schon seit zwanzig Jahren mit der Deutschen Bank zusammen gearbeitet und seiner Hausbank entsprechend vertraut. Von den Mitarbeitern der Deutschen Bank hatte er ein sogenanntes Zinsoptimierungsprogramm angeboten bekommen. Laut Aussage der Bankmitarbeiter sei es möglich, über dieses Geschäft seine Zinsbelastungen zu senken, die durch Bürgschaften entstehen würden.

Der Unternehmensinhaber war überzeugt, dass dies ein gutes Geschäft sei, dabei ahnte er allerdings nicht, dass es sich um ein hochkompliziertes Konstrukt und äußerst riskantes Spekulationsgeschäft handelt er. Ihm war außerdem nicht bewusst, dass er bei solchen Geschäften durchaus Verluste in Millionenhöhe erleiden könnte. Es kam, wie es kommen musste: der Unternehmensinhaber unterzeichnete den Vertrag zum Zinsswap und erlitt sogleich die ersten Verluste. Bald schon lagen seine Verluste im Millionenbereich.

Die Deutsche Bank hat solche Zinsoptimierungsprogramme bei Hunderten von Kunden platziert. Insgesamt belaufen sich die Schätzungen sogar auf 200 Kommunen und 700 mittelständische Unternehmen. Nicht nur die Deutsche Bank hat solche Geschäfte gemacht, auch andere Banken haben sie durchgeführt, allerdings scheint die Deutsche Bank überdurchschnittlich viele Programme verkauft zu haben.

Gerade im Status einer Hausbank sind Zinsswaps sehr fragwürdig, denn hier wird ein Zugang zum Kunden genutzt, der anders nicht möglich wäre. Die Banken setzen hier voll auf den Vertrauensbonus, den sie beim Kunden haben und nutzen diesen schamlos aus, um äußerst fragwürdige Produkte zu verkaufen. Die OLG-Richter haben dabei keinen Zweifel, dass die Deutsche Bank ihre Kunden über den Tisch ziehen wolle. Bei der Präsentation solcher Geschäfte würden die Banken grob irreführend und vereinfachend beraten. Dabei verschweigen sie wesentliche Informationen, denn das Swap-Geschäft hätte von Anfang an nicht den Anlagezielen des Unternehmers entsprochen und dementsprechend erst gar nicht als Angebot vorgelegt werden dürfen. Letztendlich gibt es bei diesen Geschäften immer nur einen Sieger: Die Bank.

Bild: re-ality