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Wirtschaftsforscher sprechen Warnung vor Mindestlöhnen aus

Wirtschaftsforscher sprechen Warnung vor Mindestlöhnen aus

In Deutschland verstärkt sich die Diskussion um Mindestlöhne immer mehr. Wolfgang Franz, einer der Wirtschaftsweisen, ist der Meinung, dass durch die Verdienstgrenzen, die gesetzlich geregelt sind mehrere hunderttausend Arbeitsplätze in Gefahr sind. Die Gewerkschaften sehen das ganz anders. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer, hat sogar von Unsinn im Zusammenhang mit den Äußerungen von Wolfgang Franz gesprochen.

Der Ton in der Debatte um Mindestlöhne in Deutschland wird schärfer. Wolfgang Franz hat den Gewerkschaften dazu geraten auf die Forderung nach Mindestlöhnen zu verzichten. Er mahnt an, dass gesetzlich geregelte Mindesteinkommen gerade im Sektor der gering qualifizierten Arbeit einige hunderttausend Jobs kosten wird.

Schon seit mehreren Jahren werden in Deutschland Mindestlöhne kontrovers diskutiert. Von Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbunds wird gefordert, dass die Lohnuntergrenze bei 8,50 Euro je Stunde liegen sollte. Bisher waren die Tarifvertragsparteien selbst zur Festlegung der Lohnuntergrenze verantwortlich. Im Bereich der Dachdecker, Bauarbeiter und Reinigungskräfte sind solche Mindestlöhne auf der vorgenannten Basis eingeführt worden. Das Einkommen pro Stunde liegt teilweise unter 8,50 Euro.

Michael Sommer hat dazu gesagt, dass gesetzlich geregelte Mindestlöhne bei den Arbeitnehmern und Arbeitern eine gesteigerte Kaufkraft schaffen würden. Außerdem würden dadurch eine bessere soziale Sicherheit sowie eine verbesserte Unabhängigkeit von Sozialleistungen geschaffen. Diese Gründe würden für eine Einführung von Mindestlöhnen sprechen. Der DGB-Chef lässt das Argument, dass man mit „Hungerlöhnen“ Arbeit schaffe, nicht gelten.

Der Wirtschaftsweise Franz hingegen warnt vor Mindestlöhnen, die gesetzlich geregelt sind und bei 8,50 Euro liegen, denn der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit bei gering Qualifizierten würde dann scheitern. Diese Erkenntnis könne man aus anderen Ländern wie zum Beispiel Frankreich gewinnen. Von dem Präsidenten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) war zu hören, dass er ganz klar gegen gesetzliche Mindestlöhne sei.

Christoph M. Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), vertritt eine ähnliche Auffassung, denn er ist der Meinung, dass Deutschland auch künftig kein Standort für Billiglöhne sei. Es sei ihm aber auch bewusst, dass ein Niedriglohnsegment für Arbeitnehmer benötigt wird, die durch ihre geringe Qualifizierung keine Arbeit finden, die gut bezahlt ist. Weiterhin fügte er an, dass man genau diese Personengruppe aus dem Arbeitsmarkt drängen würde, wenn die Mindestlöhne zu hoch gewählt seien. Er denkt der bessere Weg ist die Kombination von staatlichen Leistungen und Einkommen, die durch Arbeit erzielt werden. Außerdem stellte der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung voran, dass man bei den Tarifabschlüssen der zurückliegenden Jahre Elemente zur Flexibilisierung eingeführt habe. Dadurch wäre es gerade in Krisenzeiten für Unternehmen möglich gewesen Arbeitsplätze zu sichern und den Fortbestand des Unternehmens zu gewährleisten. Es wäre nicht sinnvoll von diesem Weg abzuweichen, so der Wirtschaftsweise.

Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte, dass gerade für den Wirtschaftsstandort durch Gewerkschaften und Arbeitgeber in den vergangenen Jahren innovative Konzepte gefunden wurden, die vorrangig eine Tarifpolitik haben, bei der die Beschäftigten gesichert waren. Zimmerman führte weiter aus, dass man sich auch in den nächsten Jahren keine großen Sprünge in der klassischen Tarifpolitik leisten könne, denn der internationale Wettbewerb würde sich entsprechend verschärfen.

(Quelle: Welt)