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Wie aufgrund von Leitlinien und Verordnungen aus Gesunden Kranke werden

Wie aufgrund von Leitlinien und Verordnungen aus Gesunden Kranke werden

Report München hat in seiner Sendung vom 5. Juli sehr eindrucksvoll gezeigt, was für seltsame Blüten unser Gesundheitssystem treiben kann und wie aus Gesunden „lukrative Patienten“ gemacht werden.

Neue Definitionen und immer niedrigere Grenzwerte von Krankheitsbildern machen uns kränker als wir alle sind heißt es dort. Der Schaden sei groß, der Nutzen gering. Ressourcen und Gelder für wirklich Kranke schwinden, Ängste wachsen – aber die Profiteure im Gesundheitswesen verschaffen sich so fleißig Marktanteile.

Am Beispiel eines 61-Jährigen sportlichen und gesunden Bürgers wurde gezeigt, wie es funktioniert. Weil trotz seiner Gesundheit sein Cholesterinwert höher ist als der aktuelle Grenzwert gilt er für einflussreiche Kreise in der Medizinbranche als Risikopatient. Laut der „Lipid-Liga“ liegt sogar jeder dritte Deutsche über dem Grenzwert. Todesfalle Cholesterin?

Nachdem der angeblich wegen seiner erhöhten Cholesterinwerte Kranke von seinem Hausarzt ein entsprechendes Medikament bekam ging es ihm immer schlechter. Er verlor die Lust am Sport, nahm 5 Kilo zu. Der Arzt handelt schließlich und das Medikament wird wieder abgesetzt. Eine unnötige Therapie?

Prof. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen warnt vor solchen gefährlichen Trends. Es gibt überall Grenzwerte, beispielsweise beim Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Harnsäure, usw. Nach diesen wäre jeder Mann über 49 Jahre krank und jede Frau über 60. Das sei Ziel dieser Industrie.

Der Markt für alle Medikamente, die hierfür verschrieben werden können, ist gigantisch. Die allermeisten Leitlinien der Fachgesellschaften seien unter Mitwirkung der Pharmaindustrie erstellt. Das sei wie der Verkauf der medizinischen Unabhängigkeit. Es schadet Patienten, führt zu Mehrausgaben im Gesundheitswesen und schadet damit auch der Solidargemeinschaft.