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Wer will mein Geld? Die Banken wollen es nicht!

Wer will mein Geld? Die Banken wollen es nicht!

Schauen wir mal ein gutes Jahr zurück: die Banken boten ihren Kunden akzeptable Zinsen an, Sie gingen sogar hausieren, um Kunden zu bekommen, die ihr Geld auf ein Tagesgeldkonto anlegen möchten. Stand heute ist, dass die Banken sagen: „Bitte nicht noch mehr Kundeneinlagen.“Es gibt sicherlich noch Geldinstitute, die ihren Kunden etwas mehr als 2 Prozent für ihr Tagesgeldkonto geben, aber das kommt mittlerweile eher selten vor.Wenn aber jemand sein Geld anlegt, und sei es nur auf ein Tagesgeldkonto, möchte er aber gute Zinsen dafür haben, bekommt derzeit allerdings nur geringe Zinsen dafür.

Von durchschnittlich 2,20 Prozent sind die Zinsen bis auf 1,07 Prozent gesunken! Das heisst, dass der Anleger weniger als die Hälfte an Zinsen bekommt als vor 12 Monaten. Die Interessen der Banker und die Interessen des Kunden entfernen sich immer mehr.

Achim Kassow (Privatkundenvorstand der Commerzbank) begründet das damit, dass es aus Bankensicht fast undenkbar ist, mit den Einlagen Geld zu verdienen.Es bilden sich zwei Lager: auf der einen Seite der Kunde und auf der anderen die Bank. Damit stellt sich die Frage für den Kunden: Wozu brauche ich eine Bank? Erst die durch nichts zu rechtfertigenden überhöhten Kosten für Abhebungen am Geldautomaten, dann die verborgenen Prämien beim Wertpapierkauf und nun will man nicht einmal mehr das angebotene Geld der Kunden, das sie anlegen möchten.

Wenn die Institute das Geld ihrer Kunden am Kapitalmarkt anlegen, bekommen sie selbst kaum mehr als ein Prozent. Eine der relevantesten Funktionen hierbei hat der Leitzins der EZB (Europäischen Zentralbank) Der Leitzins wurde letztes Jahr erst auf 1,5 Prozent gesenkt und kurze Zeit später nochmals auf ein Prozent, wo er bis heute noch steht. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die zu den momentan niedrigen Zinsen führen. Die Banken sind durch den Bankrott der US-Bank Lehman Brothers ängstlich geworden. Des weiteren hat die Notenbank zusätzlich einige Milliarden in den Markt geschleudert. So kommen die Banken ohne Schwierigkeiten in ihrem täglichen Geschäft an Kapital. Die Geldinstitute wollen oder können daher nicht mehr so bereitwillig das angetragene Geld ausborgen. Mitunter trifft auch beides zu. Eigentlich unverständlich, da es ja zum Hauptgeschäft eine Bank gehört, Kredite zu genehmigen und hohe Zinsen dafür zu verlangen, aber auf der anderen Seite muss das Geld ja erst einmal dazu vorhanden sein.

Den Kunden bleibt momentan nur eines, sie werden weiter hoffen müssen, dass die Banken ihre Meinung bald ändern und dann die Euros der Anleger wieder zu schätzen wissen.Man geht allerdings momentan nicht von einer Leitzinserhöhung der EZB aus, genauso wenig werden wohl die Kreditvergaben in der nächsten Zeit besser werden.Dennoch: Das Zahlungspotenzial der Kunden könnte wieder Annerkennung finden sobald die Notenbanken anfangen, Milliarden Hilfsprogramme zu stoppen und das Geld wieder zurückzuholen.

Die Banken werden die Kunden früher oder später brauchen und darum betteln, dass das Geld wieder über sie angelegt wird. Warum nur lassen sie die Kunden derzeit so hängen anstatt daran zu arbeiten wie man die Kunden am besten wieder hält und zufriedenstellt.
Quelle: Welt