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Steuerhinterziehung: US-Steuerfahnder nehmen die europäische HSBC ins Visier

Steuerhinterziehung: US-Steuerfahnder nehmen die europäische HSBC ins Visier

Ein Kunde der britischen Großbank HSBC hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt. Damit rückt die größte Bank Europas in den Mittelpunkt von US-amerikanischen Steuerfahndern. Vor einem Gericht im Bundesstaat Virginia hat der Arzt, Andrews B. Silva zugegeben, dass er ungefähr 250.000 Dollar vor den US-amerikanischen Steuerbehörden auf einem Schweizer Konto einer HSBC-Tochter versteckt hätte. Ein Banker soll ihm, laut den Unterlagen, die dem Gericht vorliegen, geholfen haben. In den Gerichtsunterlagen ist die HSBC zwar namentlich nicht erwähnt worden, allerdings haben Justizkreise gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters behauptet, dass es sich bei der betreffenden Bank, um eine Bank aus London handele, die zudem die größte Bank Europa ist.

Bisher gab es in den USA nur Fälle der Steuerhinterziehung, die mit der Schweizer UBS-Bank in Verbindung stehen. In den Vereinigten Staaten von Amerika hatten sich sieben US-Bürger wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt, womit die Schweizer Bank ins Visier der US-Steuerfahnder gelangt ist. Man wirft der UBS in den USA systematische Hilfestellung zur Hinterziehung von Steuern vor. Die UBS hat mit den US-amerikanischen Behörden eine Einigung erzielt, indem man 780 Millionen Dollar zahlte und Informationen von 4.450 Kunden aus den USA den US-Behörden bereit stellte, bei denen der Tatverdacht der Steuerhinterziehung nahe liegt.

Einen Kommentar wollte der US-Staatsanwalt Kevin Downing nicht abgeben, ob nun die HSBC nach der UBS das nächste Ziel von genauen Untersuchungen sei. Im Rahmen eines Interviews mit Reuters, das sich auf den möglichen Verdachtsfall der Beihilfe zur Steuerhinterziehung eines Bankers drehte, sagte er, dass man ein solches Verhalten nicht tolerieren wolle und jedem noch so kleinen Beweis nachgehen werden. Offiziell gibt es derzeit noch keine Beschuldigung seitens der US-Behörden gegen den Schweizer Banker.

Die HSBC nimmt zu den neuerlichen Vorwürfen keine Stellung. Aus Bankenkreisen wird allerdings laut, dass das Problem bei weitem nicht die Ausmaße, wie bei der UBS hätte. Die Geschäfte in den USA machen nur einen kleinen Teil, 3,5 Prozent des Gewinns, der HSBC Private Banking aus.

Der konkrete Fall des Arztes aus Virginia beziehe sich, laut Gerichtsunterlagen, auf ein Konto bei der HSBC, das in Liechtenstein geführt wird. Er soll auf dem Konto 268.000 Dollar und die darauf angefallenen Zinsen vor den Behörden der USA versteckt haben. Das Geld hat er ursprünglich von seiner Mutter geerbt und unter dem Deckmantel einer Stiftung nach Liechtenstein transferiert.

Nach den Informationen, die dem Gericht vorliegen, erhielt Silva im August 1999 von der Bank ein Schreiben, indem die Bank mitteilte, dass diese seine Schweizer Bankverbindung auflösen möchte und er sein Geld in Empfang nehmen solle. Durch einen Anwalt aus der Schweiz hat die Bank mitteilen lassen, dass es keine Überweisung geben werde, damit die US-amerikanischen Finanzbehörden nicht auf das Konto aufmerksam gemacht würden.

Der Arzt aus Virginia hat jetzt zugegeben, dass er das Geld in kleinen Beträgen, maximal 10.000 Dollar, die nicht als Transfer von Devisen deklariert werden müssen, auf eigenen Reisen in den USA gebracht hätte, bzw. per Post, getarnt als Touristikprospekte verschickte. Am 7. Mai soll nun das Urteil gegen Silva verkündet werden. Das Strafmaß kann bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Dollar ausmachen.
(Quelle: Handelsblatt)