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Skandal – Auswärtiges Amt: Diplomaten tief verstrickt in Holocaust

Skandal – Auswärtiges Amt: Diplomaten tief verstrickt in Holocaust

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Der „Spiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichten übereinstimmend über eine vom Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) in Auftrag gegebene Studie.

Danach war das Auswäritge Amt eine verbrecherische Organisation. So stellte es der Marburger Historiker Eckart Conze (Kommissionsleiter) im Spiegel jetzt fest. Der Abschlussbericht kommt jetzt unter dem Titel „Das Amt und die Vergangenheit – Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik“ in den Handel.

Joschka Fischer selbst zeigt sich tief erschüttert und entsetzt über die Aufdeckung des Geschehens während der NS-Zeit. Das Ministerium wird dort als aktiver Unterstützer der NS-Vernichtungspolitik entlarvt. Das Auswärtige Amt schirmte sich laut dem Historiker-Bericht nicht ab vom nationalsozialistischen Apparat, sondern arbeitete diesem sogar auch bei der Judenvernichtung aktiv zu. Eckart Conze sagte hierzu „Das Auswärtige Amt war an allen Maßnahmen der Verfolgung, Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der Juden von Anfang an aktiv beteiligt“. Nach dem Krieg 1945 soll ein erheblicher Aufwand betrieben worden sein, diese Tatsachen zu vertuschen. Das sei tatsächlich schockierend.

Der Ex-Außenminister sieht im Auswärtigen Amt eine damalige zentrale Rechtsschutzstelle. Es scheint sich um eine Täterschutzstelle gehandelt zu haben. Es seien zum Beispiel kurz nach dem Krieg Listen der Kriegsverbrecher erstellt worden, die sich ins Ausland abgesetzt haben, damit keiner dorthin fahre, wo ihm Verhaftung oder Verurteilung gedroht hätten.

Ausgelöst wurde die Untersuchung der Historikerkommission wegen des Streites über Nachrufe für Diplomaten, die durch ihre Vergangenheit im Naziregime belastet waren. Fischer hatte solche Nachrufe während seiner Amtszeit abgeschafft. Jetzt meinte er hierzu, dass die Diplomaten genau den Nachruf durch die Studie jetzt bekommen würden, den sie verdienen würden.