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Sieben alte AKW vom Netz – für immer? Nein: „vorübergehend“

Sieben alte AKW vom Netz – für immer? Nein: „vorübergehend“

Bild: ##http://www.flickr.com/photos/guenterhh/5360275594/sizes/m/in/photostream/##GuenterHH
Was jetzt immer mehr zu einem atomaren Super-Gau wird in Japan ist ein entsetzlicher Albtraum. Fast stündlich verschlechtern sich die Meldungen, auch hat sich jetzt der Wind gedreht, direkt auf Tokio zu. Atomare Wolken könnten auf die Millionenstadt zusteuern. Alle Gedanken sind bei den Menschen und den schrecklichen Vorfällen in Japan. Die ganze Welt hält den Atem an.

Was jetzt zu hören ist aus Berlin klingt auch wie ein Traum. Auch hier hat sich der Wind gedreht. Den jetzigen Meldungen aus dem Kanzleramt zufolge werden sieben Atomkraftwerke vorübergehend abgeschaltet. Das achte AKW Krümmel in Schleswig-Holstein ist wegen der vielen Pannen und Störanfälligkeit bereits vom Netz. Man beachte hier sehr deutlich die Wortwahl „vorübergehend“.

Können die Menschen in Deutschland aufatmen? Ein klares Nein! Das Moratorium ist nur vorübergehend, drei Monate lang soll geprüft werden. Danach sind die wichtigsten Landtagswahlen vorbei, könnte sein, dass dann der Wind wieder anders weht. Was die schwarz-gelbe Regierung jetzt präsentiert ist nicht sehr überzeugend, obwohl man zuerst einmal erleichtert über diese vorübergehende Entscheidung aufatmet. Vor kurzem hat man von der Regierung noch genau das Gegenteil gehört, die ewig bemühte Brückentechnologie, die keinesfalls abgeschaltet werden kann und darf, die Sicherheit sei von höchstem Standard in Deutschland! Nun plötzlich die wundersame Wandlung vor der Wahl im wichtigsten Bundesland. So schnell ändern sich Sicherheitsstandards?

Laut der Einigung mit fünf betroffenen Bundesländer-Ministern handelt es sich um die Werke Neckarwestheim 1 und Philippsburg in Baden-Württemberg, Isar I in Bayern, Biblis A und B in Hessen, Unterweser in Niedersachsen und das bereits abgestellte AKW in Brunsbütel in Schleswig-Holstein. In diesem Bundesland ist auch das Pannen-AKW Krümmel, bereits länger vom Netz getrennt.

Von Umweltminister Röttgen war gestern noch gesagt worden, dass er davon ausgehe, dass ein Atommeiler, der jetzt vom Netz gehe, nicht mehr eingeschaltet werde. Heute rudert er bereits zurück oder wurde er von der Kanzlerin wieder einmal zurückgepfiffen? Heute war von ihm zu hören, das sei offen. Na also, da haben wir wieder die Unsicherheit! Offenbar doch nur wahltaktisches Geplänkel und wahlbezogene Einsichten auf dem Rücken der Bürger. Die Atomindustrie wird schon wieder richtigen Druck machen, wenn ihre Gewinne in Gefahr sind. Es gibt ja sogar einen Staatsminister, der bei der Atom-Lobby gearbeitet hatte, im Röttgen-Ministerium.