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Schon gewusst? Stuttgart 21-Filz – größter Immobiliendeal aller Zeiten

Schon gewusst? Stuttgart 21-Filz – größter Immobiliendeal aller Zeiten

Bild: ##http://www.flickr.com/photos/thefuturistics/477665864/sizes/m/in/photostream/##thefuturistics
Je mehr man sich mit dem Projekt Stuttgart 21 beschäftigt umso erschreckender werden die Erkenntnisse.

Es geht fast ausschließlich um geballte Wirtschaftsmacht und unglaublichen Interessen-Filz, der so nach und nach ans Tageslicht kommt.

Über die Intransparenz und Verheimlichung wichtiger Dokumente muss man sich daher gar nicht wundern. Alle Immobiliengeschäfte und Investoreninteressen rund um das gigantische Bahnhofsprojekt sind weitaus wichtiger als das Projekt selbst.

Die Rendite-Versprechung hierfür heißt ein völlig neues Stadtbild. Wo sich jetzt noch Gleise befinden sollen in Zukunft die Menschen shoppen, parken und wohnen. Dabei ist an eine Investition von zehn Milliarden Euro in Einkaufszentren, Büros und Wohnhäuser gedacht. Eine unvorstellbar lohnende Idee für Investoren. So verwundert es nicht, dass die mächtigsten Konzerne bereits Schlange steht.

Laut vertraulichen Informationen des „stern“ sagen Planungsunterlagen aus, dass die am Südflügel des denkmalgeschützten Bahnhofs vorgesehenen Abrissarbeiten erst in zwei Jahren für den 12. August 2012 geplant waren. So kann vermutet werden, dass Bahnchef Grube und Ministerpräsident Mappus gegen einen strikten Bau- und Vergabestopp sind. Alle Wirtschaftlichkeitsberechnungen basieren nämlich auf dem planmäßigen Bau, da kann man sich keine Verzögerungen leisten.

Der größte Investor ist der ECE-Konzern, ein Hamburger Shopping-Center-Betreiber und der Baukonzern Strabag (Bayerische Bau- und Immobiliengruppe BBIG). Hier sollen 500 Millionen Euro in ein 43.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum investiert werden. Der Stuttgarter Gemeinderat hat auch hier ein Veto eingelegt gegen geplante 1.600 Parkplätze, konnte sich aber nicht durchsetzen gegen Oberbürgermeister Schuster, der nur die Wirtschaftsinteressen vertritt und nicht mehr die Bürger.

Wen wundert es da noch, dass der Stiftung „Lebendige Stadt“ (ECE-Gründung) bis vor kurzem noch äußerst wichtige Befürworter des S21-Projektes angehörten. Hier sind nur der Architekt des Projektes Christoph Ingenhoven angeführt. Ebenfalls seit 2005 Friederike Beyer, Lebensgefährtin des Ex-Ministerpräsidenten Oettinger. Bis September 2010 auch der Oberbürgermeister Stuttgarts, der allerdings jetzt zurücktrat (notgedrungen?). Auch Tanja Gönner, Umweltministerin in Baden-Württemberg, die sich ja gerne in Talk-Shows zeigt und das Projekt heiß befürwortet, ließ jetzt ihre Mitgliedschaft ruhen.

Weiterhin wurde eine Expertise der Firma SMA zwei Jahre lang strikt verheimlicht. Sie untersuchte im Auftrag der Landesregierung die Auswirkungen auf den Schienennahverkehr mit verheerenden Ergebnissen. Verheimlichungszitat „Aufgrund der Brisanz der vorliegenden Resultate ist absolutes Stillschweigen erforderlich”. Wer spricht hier noch von Transparenz und alle Unterlagen liegen auf dem Tisch?

Hier könnten noch vielfache Verfilzungen und ausschließlich riesige Wirtschaftssinteressen ins Feld geführt werden, die den Artikel sprengen würden. Fest steht aber auf jeden Fall, dass das Projekt Stuttgart 21 einem riesigen Monopoly-Spiel um reine Wirtschafts-, Finanz- und Marktinteressen gleicht und keinesfalls den Bürgern in irgendeiner Form auch nur im geringsten hilfreich sein könnte. Sie werden ja bis jetzt nicht angehört.