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Rating-Agenturen: Zwischen Macht und Interessenkonflikt

Rating-Agenturen: Zwischen Macht und Interessenkonflikt

Derzeit rücken die Rating-Agenturen immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit und wie es scheint gehören Angriffe auf Rating-Agenturen immer mehr zum guten Ton. Dennoch ist nicht jeder Angriff gegen eine Rating-Agentur gerechtfertigt.

In der vergangenen Woche wurde das Rating Portugals herabgestuft und sofort wurden Stimmen laut, dass diese Herabsetzung nicht in dieser Form hätte sein müssen. Kritiker behaupten, dass die Aussichten des südeuropäischen Staates nicht so schlecht sei, wie in dem Rating dargestellt. Dabei sollte beachtet werden, dass Rating-Agenturen nicht nach Gut-Dünken handeln, sondern die Kreditausfallwahrscheinlichkeit bei Staatsanleihen berechnen. Dazu bedienen sie sich fundamentaler volkswirtschaftlicher Daten und bewerten die Fähigkeit eines Landes seine Schulden zu bedienen.

Damit sind die Rating-Agenturen gezwungen auf die Geschehnisse an den Märkten zu reagieren. Dennoch ist es aber nicht richtig, dass Rating-Agenturen den Märkten hinterherhinken. Die Rating-Agenturen sind gezwungen bei Veränderungen im Renditeaufschlag zu reagieren. Wenn sich bei Staaten wie Griechenland oder Portugal die Kosten zur Finanzierung und das Ausfallrisiko erhöhen, muss eine Rating-Agentur das Rating entsprechend anpassen.

Dieser Umstand soll die Rating-Agenturen aber nicht von Fehlern freisprechen. Die Problematik, die sich bei den Rating-Agenturen stellt ist ein immenser Interessenkonflikt. Banken und Investmentgesellschaften bezahlen die Rating-Agenturen für die Bewertung ihrer Produkte. In diesem Zusammenhang schwingt immer auch ein wenig die Befangenheit der Rating-Agentur mit. Seit Monaten wird aus diesem Grund, und in den vergangenen zwei Wochen deutlich vehementer, von Politiker gefordert, dass eine unabhängige Europäische Rating-Agentur geschaffen wird. Fraglich ist allerdings ob eine solche Agentur tatsächlich unabhängig ist, wäre sie doch von der Politik angetrieben. Fraglich ist auch, ob solche Herabstufungen von Staaten, wie in der vergangenen Woche gesehen, durchgeführt worden wären. Sicherlich nicht in dieser Härte. Auf die Europäische Rating-Agentur wäre von den betroffenen Staaten entsprechender Druck ausgeübt worden, um das Rating nicht ganz so heftig herabzusetzen.

Bild: crucially