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Rating-Agenturen: Wer regiert die Welt wirklich?

Rating-Agenturen: Wer regiert die Welt wirklich?

In den vergangenen Tagen haben die Rating-Agenturen für viel Wirbel am Finanzmarkt gesorgt. Mit der Abwertung Griechenlands haben sie ein Strohfeuer ausgelöst. Portugal und Spanien waren in der letzen Woche auch von Abwertungen durch die Rating-Agenturen betroffen.

Die Bewertungsagenturen haben mittlerweile eine Macht, die so groß ist, dass sie über Wohl und Weh eines Unternehmens oder Staates entscheiden können. Vergeben die Rating-Agenturen eine gute Bewertung, kann sich das betreffende Land oder Unternehmen deutlich günstiger am Finanzmarkt refinanzieren. Werten sie ab, dann kann das eine ohnehin schon schwierige finanzielle Lage eines Unternehmens oder Staates verschärfen.

Doch wer steht wirklich hinter den Rating-Agenturen? Wer kann diese Macht ausüben?

Die großen drei Rating-Agenturen sind Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch-Rating.

Moody’s ist ein Unternehmen, das 1909 von John Moody in den USA gegründet wurde und sich mit Ratings von Unternehmen und Staaten beschäftigt. Die Firma ist im Besitz verschiedener Aktionäre. Einer der größeren Anteilseigner ist die Firma Berkshire Hathaway Inc., die dem amerikanischen Multimilliardär und Großinvestor Warren Buffett gehört.

Standard & Poor’s wurde 1949 in New York gegründet und ist eine Tochtergesellschaft der McGraw Hills Companies, Inc. Der Firmensitz ist noch heute in New York. Die McGraw Hills Companies sitzen ebenfalls in New York. Die Aktien befinden sich im Streubesitz.

Fitch-Ratings wurde im Jahr 1913 von John Knowles Fitch in New York gegründet und ist die kleinste der drei bedeutenden Rating-Agenturen. Der Mehrheitseigner ist die französische Fimalac.

Alle drei Rating-Agenturen sind also Unternehmen, die in New York gegründet wurden und deren Headquarters auch heute noch in New York sitzen. Vor diesem Hintergrund bekommt die Idee einer unabhängigen Europäischen Rating-Agentur eine ganz neue Dimension, auch wenn hier ebenso die Unabhängigkeit angezweifelt werden darf.

Das Grundproblem bei den Rating-Agenturen ist, dass sie von den Banken und Investmentgesellschaften für das Erstellen eines Ratings bezahlt werden. Dieser Umstand stellt die Unabhängigkeit der Agenturen in Frage, außerdem ist auch fraglich, wie ein börsennotiertes Unternehmen, dessen Aktionäre in erster Linie an Profit interessiert sind, unabhängig sein soll.

Des weiteren ist bei vielen Bewertungen unklar, wie hoch sich der mathematische Anteil und wie hoch der Meinungsteil der jeweiligen Agentur sich in einer Bonitätseinstufung widerspiegelt. Rating-Agenturen haben während der Finanzkrise heftige Kritik einstecken müssen, weil sie „Ramschanlagen“ als sicher eingestuft haben. Aktuell geraten die Agenturen wieder in Kritik, weil viele Experten der Meinung sind, dass die aktuellen Herabstufungen von Griechenland, Portugal und Spanien zu heftig gewesen seien.

Die unterschiedlichen Ratings im Einzelnen:

Moody’sS&PFitchBewertung
AaaAAAAAAZuverlässige und stabile Schuldner höchster Qualität
Aa1AA+AA+Gute Schuldner, etwas höheres Risiko
Aa2AAAA
Aa3AA-AA-
A1A+A+Wirtschaftliche Gesamtlage ist zu beachten
A2AA
A3A-A-
Baa1BBB+BBB+Schuldner mittlerer Güte, die momentan zufriedenstellend agieren
Baa2BBBBBB
Baa3BBB-BBB-
Ba1BB+BB+Sehr abhängig von wirtschaftlicher Gesamtlage
Ba2BBBB
Ba3BB-BB-
B1B+B+Finanzielle Situation ist notorisch wechselhaft
B2BB
B3B-B-
Caa1CCC+CCCSpekulative Bonds, niedrige Einnahmen des Schuldners
Caa2CCCCCC
Caa3CCC-CCC
CaCCCCCin der Regel liegen hier bereits Zahlungsstörungen vor
CCICin Zahlungsverzug
DDZahlungsausfall
NRNRKeine Bewertung