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Privatinsolvenz: Raus aus den Schulden

Privatinsolvenz: Raus aus den Schulden

27. Oktober 2013

Wenn die Schulden sich dermaßen auftürmen, dass auf Dauer kein Ausweg mehr erkennbar ist, bietet oft die Privatinsolvenz die einzige Lösung. Nach Erhebungen von Creditreform ist fast jeder zehnte erwachsene Deutsche von Überschuldung betroffen, was für immer mehr Menschen eine schmerzliche Erfahrung und einen jahrelangen Prozess bedeutet.

Außergerichtliche oder gerichtliche Schuldenbereinigung

Für die Privatinsolvenz ist gesetzlich ein vierstufiges Verfahren vorgesehen. Beratung, insbesondere durch eine anerkannte Schuldnerberatung spielt dabei eine wichtige Rolle. Der erste Schritt besteht in einem außergerichtlichen Einigungsversuch auf der Basis eines Schuldenbereinigungsplans. Scheitert der Versuch, weil einer der Gläubiger nicht mitzieht, kann die gerichtliche Schuldenbereinigung beschritten werden. Hierzu ist die Bescheinigung einer geeigneten Stelle über den gescheiterten Einigungsversuch Voraussetzung, der z. B. von einer Schuldnerberatung stammen kann. Verbraucher können in diesem Zusammenhang ein vereinfachtes Insolvenzverfahren beantragen. Ein vom Gericht bestellter Treuhänder verwertet dann das pfändbare Vermögen des Schuldners und zahlt die Gläubiger ihren Ansprüchen entsprechend aus. Im Regelfall reicht das Vermögen nicht zur Deckung aller Verpflichtungen aus, es verbleibt daher eine Restschuld.

Wohlverhaltensphase und anschließende Restschuldbefreiung

Schuldner können für den verbleibenden Betrag eine Restschuldbefreiung beantragen. Sofern hier nicht im Einzelnen definierte Gründe entgegenstehen, wird üblicherweise die Befreiung ausgesprochen. Für den Schuldner beginnt dann eine mehrjährige Wohlverhaltensphase. Erst an deren Ende tritt die Restschuldbefreiung ein. Er muss während dieser Zeit den pfändbaren Teil seines Einkommens und die Hälfte eventuell geerbten Vermögens an den Treuhänder abtreten sowie weitere Auflagen erfüllen. Die Beträge werden zur Gläubigerbefriedigung verwandt. Die Wohlverhaltensphase dauert nach geltender Rechtslage sechs Jahre. Nach einer im Mai 2013 in Kraft getretenen Gesetzesänderung kann sie künftig unter bestimmten Bedingungen auf drei Jahre verkürzt werden. Die Neuregelung gilt allerdings erst für Verfahren, die ab Mitte 2014 angemeldet werden.

Privatinsolvenz: Chance für einen Neuanfang

Überschuldung kann jeden treffen. In sehr vielen Fällen ist sie nicht die Folge ungezügelten Ausgabenverhaltens, sondern schicksalhafter Lebensumstände. Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Scheidung bilden häufig Ursachen für den Weg in die Schuldenfalle. Die Privatinsolvenz bietet Schuldnern Perspektiven für ein neues, schuldenfreies Leben. Sicher ist es besser, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Ein frühzeitiger Gang zur Schuldnerberatung kann hier weiterhelfen.