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Postbank: Abzocker und Betrüger?

Postbank: Abzocker und Betrüger?

In der März-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest werden schwere Vorwürfe gegen die Postbank erhoben. Um die Gewinne zu maximieren sind Kunden vorsätzlich abgezockt und falsch beraten worden. Finanztest beruft sich auf Aussagen von Mitarbeitern der Postbank.

Finanztest hat geschrieben, dass man auf den im November veröffentlichten Artikel „Vorsicht Postbank“ hunderte von Leserzuschriften erhalten habe. Auch seien unzählige Schreiben von Postbank-Mitarbeitern eingegangen, die auf die Missstände der Finanzberatung bei der Postbank hindeuten wollen.

Ein ehemaliger Vertriebs-Mitarbeiter der Postbank hat geschrieben, dass man bei der Postbank alles „verkloppen“ musste, was hohe Provisionen bringt. Dem einher gehen viele beschriebene Fälle von Lesern. Dabei soll einem 80-jähriger Rentner eine risikoreiche Schiffsbeteiligung verkauft worden sein, die eine Laufzeit von 17 Jahren vereinbart hatte. Der Berater der Postbank sagt dazu, dass der Kunde bis heute nicht wisse, was ihm da verkauft worden ist. Zu dem Verkauf dieser Beteiligung wurde sogar vom Vertriebsleiter geraten. Er begründete den Verkauf mit dem Argument, dass der Kunde das Ende der Beteiligung sowieso nicht erleben würde. Der Vertriebsleiter habe sich über die Superprovision gefreut.

Wie einige Vertriebsmitarbeiter der Postbank wissen, würde der Fehler im Vertriebssystem der Postbank liegen, denn die knapp 4.000 Finanzberater der Postbank würden rein auf Provisionsbasis arbeiten und hätten kein Festgehalt. Dementsprechend würden sie ausschließlich von Abschlussprovisionen und Prämien leben. Das würde allerdings bei der Postbank nur funktionieren, wenn man richtig viel verkauft.

Außerdem hätten alle Postbank-Vermittler Einsicht in alle Bausparkonten der BHW, die eine hundertprozentige Tochter der Postbank ist. Ein Vertriebsdirektor hat hierzu geäußert, dass man die Mitarbeiter dazu anhalten würde, hoch verzinste alte Verträge gegen niedrig verzinste neue Verträge zu ersetzen. Hintergrund ist, dass man nur so die vorgegebenen Zahlen erreichen und zusätzliche Prämien einstreichen kann.

Joachim Strunk, Sprecher der Postbank, hat den Artikel als zu pauschal bezeichnet. Mit dem mobilen Vertrieb hätte die Postbank ein gutes System von dem auch die Kunden profitieren würden. Gegen vereinzelte schwarze Schafe würde die Postbank selbstverständlich vorgehen. Die Postbank hätte zugunsten einiger Kunden, die beschriebenen Fälle reguliert.

In der Finanztest wurde dazu geraten, die Postbank schriftlich aufzufordern, die Daten über Kontoinformationen nicht weiterzugeben, nur so könne man vermeiden, dass Vertriebsmitarbeiter der Postbank Einsicht in BHW-Kontodaten nehmen können. Gegen eine Falschberatung kann man sich mit einem Anwalt oder der Hilfe der Verbraucherzentralen wehren.

(Quelle: Frankfurter Rundschau)