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Madoff: Banker hat fünfmal erfolglos gewarnt

Madoff: Banker hat fünfmal erfolglos gewarnt

Ein Banker hat die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC innerhalb von neun Jahren fünfmal vor Bernard Madoff gewarnt. Harry Markopolos hat mehrfach die Renditen von Madoff vorgerechnet und behauptet, dass diese nicht möglich wären, allerdings vergeblich.

Anscheinend haben die Vertreter der SEC die Zahlen nicht verstanden, die über den Finanzjongleur Bernard L. Madoff vorgelegt wurden. Erst als das Anlagesystem von Madoff auf ein Volumen von 65 Milliarden Dollar angewachsen war und letztendlich kollabierte wurde man wach – jedoch zu spät. Harry Markopolos beschreibt in seinem Buch „No One Would Listen“ das Schneeballsystem Madoffs.

In früheren Jahren war Markopolos für Rampart Investment als Chief Investment Officer tätig. Im Jahr 1999 hat er seine Nachforschungen begonnen. Auslöser war ein Kollege, der Markopolos drängte die Anlagestrategie Madoffs zu kopieren, da dieser anscheinend gute Renditen erzielen würde. Innerhalb kürzester Zeit war Markopolos klar, dass die Zahlen von Madoff nicht richtig sein können. Er sagte zu einem Kollegen, dass es vollkommen unmöglich sei solche Zahlen zu erzielen, das wäre Schwindel.

Das war der Startschuss zu einer Reise in die verkehrte Welt des Börsenspekulants Bernard Madoff. Dieser erzielte Renditen, die bei sagenhaften ein bis zwei Prozent monatlich lagen. Bei seinem Ausflug sah sich Markopolos immer wieder Bossen gegenüber, die verlangten, dass er die gleichen Ergebnisse wie Madoff produziere. Außerdem hatte er mit Anlegern zu kämpfen, die vor der Wahrheit die Augen verschlossen und Vertretern der US-Börsenaufsicht, die entweder nicht verstanden was er zu ihnen sagte oder die es einfach nicht verstehen wollten.

Markopolos hatte seine Erkenntnis insgesamt fünfmal bei der SEC vorgelegt, bis Madoff letztendlich im Jahr 2008 verhaftet wurde. Langsam kam die Frage in ihm hoch, ob Madoff zu den unantastbaren Personen gehören würde. Er hatte sich sogar mit einem Revolver bewaffnet, weil er Angst um seine Familie und sich hatte. Selbst über einen möglichen Mord an Madoff, natürlich nur für den Notfall, habe er sich Gedanken gemacht. Markopolos hat gesagt, dass er im Falle einer Kontaktaufnahme Madoffs nach New York gefahren wäre und ihn ausgeschaltet hätte.

Schockierend an dem Buch von Markopolos sind nicht einzelne Vorfälle, sondern die Gesamtheit der Folgen seiner Berichte. Markopolos erarbeitet in seinem Buch schrittweise das Dilemma zwischen der Kompetenz Juristen der SEC und den Profis, über die sie Aufsicht haben sollen. Er sagt, dass die Beaufsichtigung von Marktprofis, wenn sie von Juristen durchgeführt wird, mit Hühnern zu vergleichen sei, die Füchse jagen sollen.

Markopolos hat im Mai 2000 den Versuch unternommen einem Ermittler der SEC begreiflich zu machen, warum es nicht möglich sei, dass Madoff mit einer Options- und Aktienstrategie vom Typ splitstrike-conversion so viel Rendite erzielen könnte, wie er angegeben hatte. Jedoch hat ihn der Ermittler nur verständnislos angesehen. Markopolos beschreibt, dass ihm schnell einleuchtete, dass der Ermittler nach dem Hallo kein Wort von dem verstanden hatte, was er ihm erzählte. Er verweist auf eine einfache Grundregel: „Wenn sich etwas zu gut anhört, um wahr zu sein, ist es das in der Regel auch.“

(Quelle: Welt)