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Lehman Brothers: Mit welchen Tricks die Bank gearbeitet hat

Lehman Brothers: Mit welchen Tricks die Bank gearbeitet hat

Im September 2008 hat die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet. Aber schon Monate vorher ging es der Bank alles andere als gut. Aufsichtsbehörden, Anleger und Geschäftspartner wurden mit Bilanztricks in die Irre geführt und die tatsächliche Lage der Bank verschleiert.

Am späten Donnerstag hat der Insolvenzrichter den Untersuchungsbericht freigegeben, der 2.200 Seiten stark ist und aus dem diese Erkenntnisse hervorgehen. Die Original-Dokumente wurden vom „Wall Street Journal“ online gestellt.

Anton Valukas, Ermittler der Anwaltskanzlei Jenner & Block, ist zu dem Ergebnis gekommen, dass teilweise die Risiken von den Investmentbankern durch geschickte Bilanztricks verschleiert wurden. Somit konnte Lehman Brothers in der Außenwirkung als gesundes Unternehmen wahrgenommen werden.

Durch einen Trick den die Banker angewendet haben konnte der Verschuldungsgrad, den das Investmenthaus im Jahr 2008 hatte gemindert werden. Das Institut ist letztendlich unter einem Schuldenberg kollabiert, der höher als 600 Milliarden Dollar groß war. Bereits im zurückliegenden Jahr wurde Valukas als Prüfer auf den Fall von einem Gericht angesetzt. Sein Auftrag war zu untersuchen, ob es Fehlverhalten, Unredlichkeiten oder Betrug gegeben habe. Im Februar ist der Bericht dann fertiggestellt worden, so dass er jetzt freigegeben werden konnte.

Nicht nur die Bankführung von Lehman Brother erscheint aufgrund der Recherchen des Rechtsanwalts in einem schlechten Licht, sondern auch die Prüfer von Ernst & Young. Valukas hatte mit seinem Team für seinen Bericht einige Millionen Dokumente sichten müssen und unzählige Interviews geführt.

Valukas wirft jedoch dem Management um Richard Fuld kein unbedingtes Fehlverhalten vor. Rückblickend, so heißt es in dem Bericht, ist es möglich einige Entscheidungen in Frage zu stellen, allerdings wären die Verantwortlichen der Lehman Brothers nicht in vollem Umfang haftbar zu machen, was den Kollaps der Bank angeht.

Vielmehr hätte man sich im Hause Lehman verspekuliert. Das ist vielen Finanzdienstleistern passiert, die mit komplizierten Konstrukten von Hypothekenpapieren gehandelt haben. Schon ein Jahr bevor die Investmentbank kollabierte hätte sich auf den globalen Märkten angedeutet, dass Probleme auftreten, die dann enorm schnell gewachsen sind. Das war der Beginn, des Misstrauens unter den Banken.

Wie Valukas feststellte verlangte am Ende JP Morgan und die Citigroup solch hohe Sicherheiten für neue Kredite, dass es Lehman Brothers nicht mehr möglich war weiterzumachen. Sie hatte schlicht und ergreifend kein Geld mehr. Die Investmentbank ist im Eilverfahren zerschlagen worden. Letztlich gibt es Geschädigte in Zehntausenderhöhe, auch viele Deutsche Investoren mit kleinem Anlagevolumen sind darunter.

Mit dem Bankrott von Lehman Brothers war im September 2008 der Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht. Mit diesem Ereignis haben die Banken untereinander kein Vertrauen mehr gezeigt, was die größte Wirtschaftskrise seit Kriegsende ausgelöst hat. Die Weltmärkte konnten nur aufgrund der massiven Staatshilfen vor dem Kollaps bewahrt werden, was bedeutet, dass letztendlich die Bürger der Staaten für die Auswirkungen der Krise aufkommen müssen.

(Quelle: Handelsblatt)