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Leerverkäufe im Finanzsektor sind jetzt meldepflichtig

Leerverkäufe im Finanzsektor sind jetzt meldepflichtig

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert Spekulationsgeschäfte mit Aktien deutscher Finanztitel.

Am Donnerstag teilte die Bundesbehörde mit, dass ab dem 25. März die zehn größten deutschen Versicherungs- und Finanzunternehmen Leerverkäufe von Aktien der BaFin melden müssen. Es wäre nötig eine solche Meldepflicht einzuführen, um frühzeitig Maßnahmen gegen Leeverkäufe einzuleiten. Solche Geschäfte würden die Grundsäulen des Finanzsystems erschüttern und den Handel mit Wertpapieren stören, verkündete die BaFin.

Um die allgemeinen Finanzmärkte wieder zu stabilisieren hatte die BaFin vor anderthalb Jahren, nachdem die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers kollabiert ist, ein Verbot ausgesprochen Leerverkäufe in diesen Titeln zu tätigen. Das Verbot ist jetzt allerdings abgelaufen.

Damit verfolgt die BaFin einen Vorschlag, der vom Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufseher (CESR) in dieser Woche präsentiert wurde. Um Leerverkäufe einzudämmen hatte die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC schon Ende Februar neue Regeln verabschiedet. Die BaFin setzt somit bereits jetzt schon eine Regelung um, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch angekündigt hat (Finanzzeug hat berichtet). Nach seinem Willen sollen Privatanleger künftig besser geschützt werden, indem man für mehr Transparenz an den Finanzmärkten sorgen wolle.

Investoren wetten bei Leerverkäufen auf sinkende Kurse von Währungen und Wertpapieren. Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Aktien von deren Besitzern, verkaufen diese und versuchen die Aktien, dann zu einem günstigeren Kurs wieder zurückzukaufen. Ungedeckte Leerverkäufen bringen da ein deutlich höheres Risiko mit sich. Hier handeln die Investoren mit Aktien, die sie nicht einmal geliehen haben, geschweige denn besitzen. Durch solche Geschäfte können heftige Kursbewegungen von Aktien ausgelöst werden.

Wolfgang Schäuble hat vor ungedeckte Leerverkäufe ganz zu verbieten. Außerdem hat er vor das Anschleichen deutlich zu erschweren. Mit dem Anschleichen können Firmenübernahmen im Heimlichen vorbereitet werden. Leo Dautzenberg, Finanzpolitischer Sprecher der Union, sagte dazu, dass es dem Markt klare Leitlinien geben würde. Weiterhin bekundete er, dass man Hasardeuren an den Kapitalmärkten klare Leitplanken setzen müsse, wenn diese wie Glücksritter auf Kurse wetten.

Die Vorschrift der BaFin sieht vorerst nur eine Meldepflicht bei Leerverkäufen vor, wenn die Verkäufe bestimmte Größen am Anteil des Grundkapitals überschreiten. Die Größe beginnt bei 0,2 Prozent. Wenn die Höhe 0,5 Prozent überschritten wird will die BaFin das Geschäft öffentlich bekannt geben. Jedoch soll der Name des Inhabers unbekannt bleiben. Die CESR macht sich im Gegensatz zur BaFin dafür stark, dass sogar der Name genannt wird. Auf europäischer Ebene hat sich der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle dafür ausgesprochen, dass es schärfere Meldepflichten geben sollte.

Die neue Regel der BaFin betrifft Aktien der Commerzbank, Deutschen Bank, Allianz, Deutsche Börse, Münchener Rück, Postbank, Hannover Rück, Generali Deutschland, Aareal Bank und MLP.

(Quelle: Reuters)