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Lebensversicherung: Immer weniger Rendite

Lebensversicherung: Immer weniger Rendite

In der Lebensversicherungsbranche hat man dieser Tage mit niedrigen Zinsen, hohen Versprechen und Börsenkursen, die stark schwanken zu kämpfen. Ausgerechnet in dieser Phase spricht die Ratingagentur Fitch auch noch von Überschussbeteiligungen, die weiter sinken werden.

Tim Ockenga, Analyst bei Fitch, sieht dunkle Wolken am Himmel aufziehen, denn von 23 Unternehmen, die bewertet wurden, sieht die Ratingagentur für 15 keinen positiven Ausblick. Er sieht die Branche vor großen Herausforderungen. Die Branche würde unter den weiterhin niedrig bleibenden Zinsen zu leiden haben, obwohl sich die Erholung der Finanzmärkte zunächst positiv auf einige Gesellschaften ausgewirkt habe. Ockenga sagte weiter, dass besonders Versicherungsgesellschaften betroffen seien, die nicht finanzstark wären und kein starkes Neugeschäft haben.

Der aktuelle Durchschnitt der gezahlten Überschussbeteiligungen liegt bei den Versicherern bei 4,2 Prozent. Ausgezahlt werden diese, wenn es der Versicherungsgesellschaft gelungen ist, die Prämien der Versicherten so anzulegen, dass die Gewinne daraus über dem Garantiezins, der gesetzlich bei 2,25 % festgeschrieben ist, liegen. Außerdem werden bei Ablauf des Vertrages ein Schlussüberschuss und fünfzig Prozent der Bewertungsreserven, sofern diese vorhanden sind, ausgezahlt. Die Bewertungsreserven entstehen nur bei einer Übersteigung des Marktwertes der Kapitalanlage gegenüber der in der Bilanz verbuchten Zahl.

Der Allianz Lebensversicherungsvorstand Maximilian Zimmerer hat in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“ gesagt, dass er nicht mit steigenden Zinsen an den Kapitalmärkten rechnet. Das Zinsniveau werde niedrig bleiben, solange die Wirtschaftsleistung nicht stark anzieht. Durch die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen der Zentralbanken könnten sich Inflationsrisiken ergeben. Die Versicherungsgesellschaften würden mit Umschichtungen bei den Anlagen auf das niedrige Zinsumfeld reagieren. Wesentlich mehr Unternehmens- und Staatsanleihen seien aktuell in den Portfolios der Konzerne zu finden. Laut Fitch wären Ende 2009 ungefähr 19 Prozent des Anlagevolumens der Gesellschaften in Staatsanleihen, hauptsächlich in Anleihen der Bundesrepublik Deutschland, investiert gewesen. Ende 2008 lag dieser Wert noch bei geschätzten 14 Prozent.

Der Branche liegen die Kundenstornos schwer im Magen, denn nach Angaben der Ratingagentur Fitch geht man von einer Stornoquote aus, die bei 6,3 liegt. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 5,5 Prozent. Zurzeit wollten sich die Kunden eher nicht so gerne an lang laufende Policen binden. Einen Großteil des Wachstums haben die Versicherer aus Einmalbeiträgen generieren können. Oftmals kommen Einmalbeiträge aufgrund von gerade abgelaufenen Versicherungsverträgen zustande, die nicht auf das Konto des Kunden überwiesen, sondern in einen sofortbeginnenden Rentenvertag eingezahlt werden. Der Kunde erhält statt des einmaligen Geldbetrages eine monatliche Rente ausgezahlt. Im Jahr 2008 konnten die Konzerne eine Steigerung von 4,2 Prozent in diesem Bereich verzeichnen. Für 2009 rechnet Fitch mit 45 Prozent Steigerung in diesem Segment. Bei vielen Versicherern steht in diesem Sektor wohl mehr das Halten der bereits vorhandenen Kundengelder im Vordergrund, denn frische Mittelzuflüsse sehen anders aus.

Laut Fitch ist es möglich, dass Einmalbeiträge von Anlagen, die kurz laufen, zu einer mehrfachen Buchung in der Kalkulation geführt haben können. Um das immer schwerer werdende Neugeschäft auszugleichen sind die Einmalbeiträge bei den Gesellschaften durchaus sehr willkommen. Versicherer, die ein dauerhaftes Wachstum generieren möchten sollten Produkte in ihrem Sortiment anbieten, die entsprechend auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind. Fitch sieht bei einigen Versicherern einfach nicht die notwendige Produktpalette und Vertriebskanäle, um ein Neugeschäft generieren zu können, dass zugleich nachhaltig und rentabel ist. Die Lebensversicherungsprodukte müssten sich durch mehr Flexibilität an die unterschiedlichen Lebensphasen der Kunden anpassen können.

Im Bereich der freien Rückstellungen für Beitragserstattung (RfB) sieht die Ratingagentur Fitch positive Entwicklungen, denn im Segment der RfB hat man keine Minderung entdecken können. Der Puffer für unruhige Zeiten ist dementsprechend in der Branche vorhanden.

(Quelle: WirtschaftsWoche)