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Krankenkassen: Experten befürchten Massensterben

Krankenkassen: Experten befürchten Massensterben

Viele gesetzliche Krankenkassen befinden sich auf einer Gradwanderung. Der Kostendruck wächst immer weiter, der Wettbewerb wird härter und es werden unbeliebte Zusatzbeiträge erhoben. In einer neuen Studie geht man davon aus, dass sich die Zahl der Krankenkassen von 169 auf 50 verringern wird. Besonders im Bereich der betrieblichen Krankenkassen soll es große Reduzierungen geben.

In den kommenden fünf Jahren soll sich die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen stark vermindern. In einer von der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young durchgeführten Studie, die der „Welt am Sonntag“ exklusiv zur Verfügung gestellt wurde werden diese Veränderungen prognostiziert. Der Autor der Studie, Andreas Freiling, hat gesagt, dass sich der Konzentrationsprozess, der ohnehin schon begonnen hat, nochmals beschleunigen würde. Laut Aussage von Freiling werden bis zum Jahr 2012 von den 169 Krankenkassen nur noch 100 am Markt verweilen. Ganze 50 gesetzliche Krankenkassen sollen bis zum Jahr 2015 übrig bleiben. In den 1990er Jahren waren es einmal über 1000 gesetzliche Krankenkassen, die in Deutschland am Markt operierten. Die größten Sorgen sollten sich die kleinen Betriebskrankenkassen machen, denn von den aktuell 130 Krankenkassen sollen letztendlich nur noch zehn bestehen bleiben.

Gründe für den Rückgang sieht Freiling vor allen Dingen in den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Denn durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen ist es beispielsweise möglich, dass Krankenkassen heutzutage Konkurs anmelden können. Die verbliebenen Krankenkassen hätten außerdem Probleme, den höheren Finanzierungsbedarf durch den gleichmäßigen Beitragssatz von 14,9 Prozent und durch den neu eingeführten Gesundheitsfonds, zu tragen. Kassen, die ohnehin nicht besonders finanzstark seien müssten derzeit zu Mitteln wie Zusatzbeiträgen greifen. Expertenmeinungen zufolge werden aber genau diese Zusatzbeiträge bewirken, dass die Krankenkassenmitglieder, die davon betroffen sind, zu anderen gesetzlichen Krankenkassen wechseln. Die Folgen sind fatal, denn die ohnehin schon problematische finanzielle Lage dieser Krankenkassen verschärft sich dadurch enorm.

Ernst & Young hat im Rahmen der Studie insgesamt 40 Krankenkassen befragt. Knapp die Hälfte würde sich bereits jetzt schon Gedanken über einen Zusammenschluss mit einer anderen Kasse machen. Eine Fusion ist für 33 Prozent der Krankenkassen eine mögliche Option. Außerdem stufen die meisten Kassen einen Zusammenschluss als erfolgreiches Mittel ein. Die finanzielle Basis würde sich verbreitern, da man über diesen Weg Kosteneinsparungen im Bereich der Verwaltung und IT vornehmen könnte. Außerdem würden Arbeitsprozesse durch solch einen Schritt optimiert werden. Desweiteren könnte man die Marktposition gegenüber Krankenhäusern und Ärzten stärken, wenn man im größeren Verbund zusammen arbeitet.

Die letzten Zusammenschlüsse liegen gar nicht so weit zurück. Vierzehn gesetzliche Krankenkassen sind bei elf Fusionen zum Jahreswechsel vom Markt verschwunden. Einer der größten Zusammenschlüsse war die Fusion der DAK mit der Hamburg-Münchener Ersatzkasse neben der Fusion der Barmer-Ersatzkasse mit der Gmünder Ersatzkasse (GEK). Die neugeschaffene Barmer-GEK kann auf einen Marktanteil von 13 Prozent mit ihren 8,6 Millionen Mitgliedern verweisen und ist somit die derzeit größte Krankenkasse Deutschlands.

(Quelle: Welt)