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Immer mehr Privatinsolvenzen in Deutschland

Immer mehr Privatinsolvenzen in Deutschland

Die Hamburger Wirtschaftskanzlei Bürgel hat das Schuldenbarometer veröffentlicht. Demzufolge sind immer mehr junge Menschen von Armut und Bankrott bedroht. Der Anteil von Privatinsolvenzen ist im letzten Jahr um fast neun Prozent angestiegen. Damit lagen in 2009 die Verbraucherinsolvenzen bei 130.698. Die Hamburger Wirtschaftskanzlei rechnet für 2010 mit einem erneuten Anstieg und prognostiziert über 137.000 Privatinsolvenzen.

Bürgel gab als einen Grund für den rapiden Anstieg der Insolvenzen die Finanz- und Wirtschaftskrise an. Besonders Junge Menschen wären von dem privaten Bankrott betroffen, da dem noch relativ geringen Einkommen hohe Belastungen aus Familien- und Haushaltsgründungen gegenüber stehen. Außerdem hat die Gruppe der Jüngeren für gewöhnlich noch nicht so viel Kapital zurückgelegt, das bei finanziellen Engpässen helfen könnte. Der Studie zufolge liegt der Anstieg von Verbraucherinsolvenzen in der Altersgruppe von 18 bis 25 bei 35 Prozent. Im Vergleich mit allen Altersgruppen ist der Anstieg bei 9 Prozent.

Die drohende Überschuldung kommt klassischerweise durch Trennung und Scheidung, bzw. Tod des Partner, Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit oder schwere Erkrankung zustande. In der Gruppe der Jüngeren kommen überdies ein Konsumverhalten, das nicht den Einkommensverhältnissen entspricht sowie Immobilienfinanzierungen die scheitern hinzu. Außerdem würde das Risiko arbeitslos zu werden durch die wachsende Zahl an Firmeninsolvenzen steigen.

Norbert Sellin, Geschäftsführer von Bürgel, sagte, dass der Trend zu mehr Privatinsolvenzen in 2010 vor diesem Hintergrund unterstützt werde. Im laufenden Jahr könnten 137.000 Verbraucherinsolvenzen angemeldet werden. Mit dieser Steigerung würden sogar die Zahlen von 2007 in den Schatten gestellt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) untermauert diese Einschätzung mit den Zahlen zur Armut unter jungen Erwachsenen. Im Jahr 2008 wären 11,5 Millionen Menschen, insbesondere jüngere Personen, armutsgefährdet.

Betrachtet man den prozentualen Anteil an Verbraucherinsolvenzen zu den Einwohnern, führt Bremen die unrühmliche Liste mit 284 Insolvenzen je 100.000 Einwohner an. Auf dem zweiten Platz rangiert Niedersachsen mit 222 Pleiten und Schleswig-Holstein belegte mit 219 Bankrotterklärungen den dritten Platz.

Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 159 Insolvenzen je 100.000 Einwohner. In Thüringen wurden die wenigsten Insolvenzanträge gezählt, hier waren es 112 Insolvenzen je 100.000 Einwohner.

(Quelle: Heute)