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Heuschrecken wegen Krise auch in 2010 noch nicht kauffreudig

Heuschrecken wegen Krise auch in 2010 noch nicht kauffreudig

Die Branche der Beteiligungen wird nach dem zurückliegenden Krisenjahr auch in 2010 keine großen Sprünge machen können. Mit steigenden Firmenübernahmen rechnet der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), jedoch müssen dafür auch deutlich mehr Gelder aufgewendet werden. Denn Banken würden derzeit eher zurückhaltend reagieren, wenn es um die kreditgestützte Finanzierung von Firmenübernahmen ginge, führte der BVK-Präsident Hans Ostmeier aus. Die Banken würden aktuell maximal fünfzig Prozent des Kaufpreises finanzieren. Bevor die Finanz- und Wirtschaftskrise einsetzte finanzierten die Kreditinstitute bis zu 80 Prozent.

Im Jahr 2009 wurden die Aktivitäten, der sogenannten Heuschrecken durch die Krise drastisch eingebremst. Alleine das Volumen von Investitionen im Private-Equity-Bereich in Deutschland hat einen Rückgang auf ein Viertel hinnehmen müssen. Damit lagen die Investitionen nur noch bei 2,36 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres wurde allerdings der Tiefpunkt erreicht. Seitdem ist die Tendenz wieder steigend.

Finanzinvestoren sind deutschlandweit an 6.400 Unternehmen beteiligt. Dabei werden insgesamt 200 Milliarden Euro Umsatz, von 1,2 Millionen Personen erwirtschaften. Der Rückgang der Investitionen war neben dem Bereich der Wagniskapitalfinanzierung bei Firmenneugründungen auch im Bereich der Finanzierungen für das Wachstum des Mittelstandes zu sehen. Der klassische Bereich des Private-Equity-Geschäfts war in besonderem Maße von dem Minus betroffen. Für das laufende Jahr erwartet man jedoch eine Aufwärtstendenz, denn besonders interessant sind aktuell Unternehmen, die von der Insolvenz bedroht oder angeschlagen sind.

Die Private-Euqity-Branche will sich gerade bei Finanzierungen des Mittelstands als Alternative zu den Banken positionieren. Ostmeier spricht sich für den von der Deutschen Bank ins Leben gerufenen Mittelstandsfonds aus, der vorerst eine Größe von 500 Millionen Euro haben soll. In Deutschland hat die Branche mit einer restriktiven Kreditvergabe der Banken zu kämpfen. Darüber hinaus sieht sich die Beteiligungsbranche erschwerten Ausstiegsbedingungen aus den Beteiligungen gegenüber. Das gilt zum einen für die Börse und zum anderen für einen Weiterverkauf. In Deutschland ist es bereits zwei Jahre her, dass der letzte nennenswerte Börsengang verzeichnet wurde. Aktuell stehen gleich drei größere Börsengänge an. Der TV-Netzbetreiber Kabel Deutschland, der Chemikalienhändler Brenntag und der Chemiekonzern Flint stehen vor ihrem Börsengang.

(Quelle: Financial Times Deutschland)