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Freie Presse in der Türkei – Fehlanzeige

Freie Presse in der Türkei – Fehlanzeige

Bild: ##http://www.flickr.com/photos/global-jet/3657235629/sizes/m/in/photostream/##Global Jet
In den vergangenen Tagen sind in der Türkei mehr als zehn Journalisten verhaftet worden. Ihnen wird die Mitgliedschaft in einem Terrornetzwerk genannt Ergenekon vorgeworfen.

Das Netzwerk soll verantwortlich für Dutzende von Anschlägen und Morden sein und mutmaßlich zu Chaos und Unruhe in der Türkei anstiften. Außerdem soll es Ministerpräsidenten Erdogan stürzen wollen.

Die Türkei gerät wegen der Verfolgung von Journalisten und deren Verhaftungen wegen angeblicher Mitgliedschaft bei Ergenekon immer mehr in die Kritik, auch im eigenen Land. Eine bekannte Zeitung in der Türkei titelte: „Der Journalismus ist verhaftet worden!“ Die bisherigen Ermittlungen trafen nur Militärs und hohe Beamte. Jetzt hat man es auf Journalisten abgesehen.

Starke Proteste hierzu gibt es von türkischen Presse-Organisationen. Es wird dort von systematischer Verfolgung kritischer Reporter gesprochen. Die türkische Staatsanwaltschaft wehrt sich dagegen mit dem Hinweis auf das Terrornetzwerk Ergenekon. Allerdings beschuldigen Journalisten die Regierung Erdogan, die Reporter und somit die Presse einschüchtern zu wollen. Eigenartig ist nämlich, dass Nedim Sener und Ahmet Sik, zwei prominente Reporter sind, die überhaupt erst Ermittlungen durch ihre Berichterstattung zur Ergenekon ermöglicht haben. Und gerade sie zählen zu den Festgenommenen. Ministerpräsident Erdogan will für schnelle Verfahren sorgen. Das darf angezweifelt werden, nachdem mehr als 300 Angeklagte seit über vier Jahren überhaupt erst auf Ermittlungen warten. Urteile wurden bisher nicht gesprochen.