close
Frankreich stellt Steueroasen an den Pranger

Frankreich stellt Steueroasen an den Pranger

Auch aus Frankreich werden die Töne gegen Steuerhinterziehung immer lauter. Deshalb verschärfen die Franzosen jetzt ihre Gangart und veröffentlichen eine schwarze Liste von Steuerparadiesen. Zahlungen in diese Staaten lösen sehr hohe Abgaben aus.

Die Regierung Frankreichs hat eine schwarze Liste zusammengestellt, auf der sich Steueroasen befinden. Künftig werden sehr hohe Steuern verlangt, wenn es zu Transaktionen in diese Länder kommt. Derzeit finden sich 18 Staaten und Regionen auf der schwarzen Liste. Ein großer Anteil an Ländern und Territorien liegt in der Karibik, alleine hier umfasst die Liste sieben Einträge. In Mittelamerika werden besonders Panama und Costa Rica hervorgehoben. Außerdem sind Staaten wie die Philippinen, Liberia und das Sultanat Brunei auf der Zusammenstellung vertreten. Künftig wird die französische Regierung Zinsen, Abgaben und Dividenden, die Unternehmen aus Frankreich in diese Staaten und Regionen transferieren, mit einem pauschalen Steuersatz von 50 Prozent belegt. Bislang wurden maximal 33 Prozent, teilweise sogar überhaupt keine Steuern, für solche Transaktionen erhoben.

Die Liste ist hauptsächlich mit Staaten und Territorien bestückt, die bis heute mit Frankreich kein entsprechendes Abkommen getroffen haben, wie Steuerinformationen mit Paris ausgetauscht werden. Auf der Liste finden sich aktuell keine Staaten aus Europa. Zwischenzeitlich hatte der Senat Frankreichs der Schweiz gedroht, diese auch auf die Liste zu setzen. Die Schweiz hatte eine Ratifizierung ausgesetzt mit der ein Steuerabkommen mit Paris geschlossen werden sollte. Hintergrund ist der Diebstahl von Kontoinformationen der HSBC Bank, den Steuerfahnder aus Frankreich durchgeführt haben sollen. Bereits am Freitag hatte Bern erklärt, dass man die Ratifizierung nicht weiter aussetzen wolle und den Prozess wieder aufnimmt.

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) hat eine Liste mit ähnlichem Hintergrund zusammengestellt. Staaten, die auf dieser Liste erwähnt sind können nur von ihr gestrichen werden, wenn sie mit mindestens zwölf Ländern Abkommen unterzeichnen, die sich auf den Austausch von Steuerinformationen beziehen. Bei der französischen Liste ist es vollkommen ausreichend, wenn die betreffenden Staaten mit Paris ein solches Abkommen treffen, um von der Liste gestrichen zu werden.
(Quelle: Focus)