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Finanztest gerät in Kritik wegen Privat-Haftpflichtversicherung

Finanztest gerät in Kritik wegen Privat-Haftpflichtversicherung

In der April-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ wurde ein Test zur Privat-Haftpflichtversicherung veröffentlicht. Dieser Test ist nach Auffassung des Branchendienstes „versicherungstip“ nicht korrekt. Die angewandten Prüfkriterien, die zur Benotung der Haftpflichtverträge zugrunde gelegt wurden, wären willkürlich gewählt und es könne nicht nachvollzogen werden wie es zur Gewichtung der Noten komme. Außerdem hätte „Finanztest“ die Bedingungen einer Versicherungsgesellschaft falsch verstanden, was zu einer Bewertung des Tarifs führte, die nicht korrekt sei. Wie der „versicherungstip“ bekundete habe „Finanztest“ den Verbrauchern mit diesem Test keinen guten Dienst erbracht. Der Test könne sogar zu Haftungsproblemen führen, wenn Makler sich ausschließlich auf das Urteil der Zeitschrift der Stiftung Warentest verlassen würden.

Versicherungsgesellschaften, die den „Grundschutz“, den die Zeitschrift „Finanztest“ festgelegt hat, nicht erfüllen, hatten lediglich die Möglichkeit den Test mit der Höchstnote „befriedigend“ abzuschließen. Die „Finanztest“ gibt gleichzeitig die Empfehlung nur solche Verträge abzuschließen, die von ihr mindestens die Note „gut“ erhalten haben. Der „versicherungstip“ hat exemplarisch zwei Fälle vorgestellt um die fragwürdigen Ergebnisse des Tests aufzuzeigen. Die Angebote, die den von der „Finanztest“ als „Grundschutz“ ausgegebenen Absicherung nicht darstellen sind zum einen die Volkswohl Bund Sachversicherung AG mit dem Tarif Komfort Plus. Die Benotung des Tarifs ist bei 3,0 erfolgt. Zum anderen ist der „Top“-Tarif der Baden-Badener Versicherung AG, der lediglich auf eine Note von 3,1 kam. Der von der „Finanztest“ definierte Grundschutz wird an 10 Merkmalen festgemacht. Zunächst erfüllen sowohl die Baden-Badener als auch der Volkswohl Bund die Anforderungen für den von der „Finanztest“ ausgewiesenen vermeintlichen Grundschutz. Die zwei Tarife liegen in Teilen sogar über den Anforderungen.

„Finanztest“ hat bei der Benotung des Tarifs vom Volkswohl Bund einen Fehler gemacht. Es wurde von der „Finanztest“-Redaktion unterstellt, dass der Tarif nicht bei gemieteten Ferienwohnungen im Ausland greifen würde. Diese falsche Interpretation der Versicherungsbedingungen des Versicherers ist zustande gekommen, da die Redaktion von „Finanztest“ nicht erkannt hat, dass das Wort „Inhaber“ auch den Mieter umfasst. Der „versicherungstip“ hat bei „Finanztest“ nachgefragt und als Antwort hat man mitgeteilt, dass man in den Bedingungen gerne das Wort „Mieter“ gesehen hätte. Zwischenzeitlich hat der Volkswohl Bund seine Versicherungsbedingungen den Wünschen der „Finanztest“ entsprechend angepasst, ohne dass sich daraus rechtliche Nachteile für die Vertragsinhaber ergeben.

Bei dem Tarif der Baden-Badener Versicherung war das Hüten fremder Hunde das Negativ-Kriterium. Wie die „Finanztest“ meint sollte sich diese Klausel auf alle Hunderassen anwenden lassen. Die Bedingungen der Baden-Badener Versicherung sehen keinen Versicherungsschutz beim Hüten von Kampfhunden vor. Erwin Hausen, Chefredakteur des „versicherungstips“ hat dazu gesagt, dass man der Auffassung sein kann, dass es wichtig wäre, so viele Risiken wie möglich in der Theorie abzusichern und bei Kampfhunden eben die Gefahr auf Schäden an Personen erhöht sei. Allerdings könne man auch abwägen, ob es sinnvoll ist der Tochter den Kampfhund des Nachbarn anzuvertrauen, um diese mit dem Hund „Gassi“ gehen zu lassen. Er führte weiter aus, dass man sich darüber Gedanken machen kann, ob ein solcher Schutz als sinnvoll zu erachten ist oder nicht. Im Hause „Finanztest“ ist diese Bedingung jedoch eine Grundlage, da beim Fehlen dieser Klausel der Tarif maximal die Note „befriedigend“ erreichen kann.

Erwin Hausen weiß, dass mehrere Tarife, die von den von der „Finanztest“ geforderten „Grundschutz“ nicht bieten, unter Umständen die wesentlich besseren Versicherungsbedingungen mit sich bringen, als die Tarife, die von der „Finanztest“ mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet wurden. Eine gute oder schlechte Bewertung für die Tarife zu vergeben ist fast nicht möglich, da hier immer der individuelle Einzelfall und die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden im Vordergrund stünden. Versicherungsnehmer, die sich ausschließlich auf den Rat der „Finanztest“ verlassen könnten deshalb der Gefahr ausgesetzt sein, den für ihre individuellen Bedürfnisse falschen Tarif zu wählen. Im Schadenfall könnte dann das böse Erwachen folgen, wenn der Versicherer nicht wie erhofft leistet, sagte Hausen.

Anmerkung der Redaktion: Vielleicht wäre es sinnvoll nicht nur Versicherungsvermittler und -vertreter mit dem entsprechenden Nachweis einer Qualifikation, die sie befähigt Versicherungen zu vermitteln, zu belegen, sondern eben auch jene Journalisten, die aufgrund ihrer Berichte, Tests und Artikel Empfehlungen in diesem Bereich geben. Bislang müssen Journalisten, die im Finanzbereich agieren und empfehlen keine Qualifikation im Versicherungs- oder Anlagevermittlungsbereich nachweisen. Weiterführende Infos: Haftpflichtversicherung Vergleich

(Quelle: markt intern)