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Erstmals seit 1949 sind die Bruttolöhne gesunken

Erstmals seit 1949 sind die Bruttolöhne gesunken

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sind im zurückliegenden Jahr die Bruttolöhne gesunken. Das statistische Bundesamt hat am Mittwoch mitgeteilt, dass im Jahr 2009 das durchschnittliche Bruttoeinkommen auf 27.648 Euro gesunken ist. Damit verringert sich der Bruttolohn um 0,4 Prozent.

Der hauptsächliche Rückgang resultiert dabei aus dem Abbau von Überstunden und Kurzarbeit, die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftkrise in vielen Unternehmen beansprucht wurden. Außerdem wurden private Krankenversicherungsbeiträge als Sozialleistungen gebucht, was zu einem zusätzlichen Negativtrend geführt hat. Mit Beginn des letzten Jahres besteht für alle Bürger der Bundesrepublik Deutschland eine Pflicht zur Krankenversicherung. Allerdings hat es eine Änderung in der Art der Buchung des Krankenversicherungszuschusses von Arbeitgebern bei den privaten Krankenversicherungen gegeben. Diese werden jetzt als Arbeitgebersozialbeitrag verbucht und nicht mehr den Bruttolöhnen zugerechnet. Diese Änderung hat bei den Durchschnittslöhnen um eine Minderung von 0,2 Prozent gesorgt, dementsprechend wären die durchschnittlichen Einkommen ohne diese Änderung trotzdem gesunken.

Der starke Anstieg der Kurzarbeit kam die Unternehmen teuer zu stehen. Denn über die Kurzarbeit konnte Fachpersonal gehalten und nicht entlassen werden, was allerdings zur Erhöhung der Lohnstückkosten führte. Um satte 5,2 Prozent sind die Lohnstückkosten durch den Ausbau der Kurzarbeit angestiegen. Dies ist der höchste Anstieg seit 1992. Die Lohnstückkosten zeigen auf, wie viel Gehalt oder Lohn aufgewendet werden muss, um eine Dienstleistungs- oder Produktionseinheit zu bezahlen. Durch die Rezession war ein deutlicher Rückgang der Produktion zu sehen, allerdings sind die Fixkosten nicht sonderlich stark gesunken. Ganze 15 Prozent Steigerung bei den Lohnstückkosten war im Verarbeitenden Gewerbe zu verzeichnen.

Die Bruttolöhne pro Stunde sind im Vergleich zu den Pro-Kopf-Einkommen um 3,0 Prozent gestiegen. Dies resultiert aus der Minderung von Guthaben auf Arbeitszeitkonten. Das statistische Bundesamt teilte mit, dass die Unternehmen im Jahr 2009 Gelder für Arbeiten auszahlen mussten, die die Arbeitnehmer bereits in den vorangegangenen Jahren geleistet hatten.

In der Mitteilung heißt es, dass das Verarbeitende Gewerbe besonders stark betroffen war. Das Pro-Kopf-Einkommen ist in diesem Sektor um 3,6 Prozent gesunken. Dem steht ein Zuwachs von 4,4 Prozent bei der Stundenbasis gegenüber. Ein Anstieg von 15,3 Prozent war in diesem Bereich bei den Lohnstückkosten zu sehen.

(Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland)