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Envio: Größter PCB-Skandal in der BRD

Envio: Größter PCB-Skandal in der BRD

Laut einem gestrigen Bericht in „report München“ hat die Entsorgungsfirma Envio beim gefährlichen Giftstoff PCB über Jahre offenbar geschlampt.

PCB ist eine giftige krebsauslösende Chlorverbindung, die bis in die 1980er Jahre für Transformatoren, Kondensatoren, im Hydraulikbereich und als Weichmacher verwendet wurde.

Wie „report“ aus internen Firmenprotokollen und erschütternden Aussagen von vergifteten Arbeitern erfuhr, ist auch die Umwelt betroffen. Es wurden extrem hohe Werte vom hochgiftigen PCB vor wenigen Wochen gemessen. Man entnahm den Arbeitern Blut und ein Alptraum entstand: Die Werte in der Spitze waren bis zu 25.000fach erhöht.

„Report“ weiter: So was gab es in Deutschland noch nie. Bei den Arbeitern, die „report“ anonym interviewte ist die PCB-Konzentration um das zig Tausenfache überhöht. Die Envio-Arbeiter wollten nicht erkannt werden aus Angst vor ihrem Arbeitgeber.

Das Envio Firmengelände liegt nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt von den örtlichen Kleingartenanlagen. Hier wurden bereits 2006 erstmals überhöhte PCB-Werte gemessen. 2008 wurde den Gärtnern von den Behörden geraten, einige Gemüsesorten nicht mehr zu essen. Doch niemand stellte bisher einen Zusammenhang mit dem vermeintlichen Musterbetrieb Envio her.
Jetzt, wo die Blutwerte der Envio-Mitarbeiter bekannt sind, haben auch die Kleingärtner Angst.

Die Bezirksregierung in Arnsberg/NRW hat die Produktion bei Envio stillgelegt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung, Umweltverschmutzung und wegen Betruges. Und es ist möglich, dass der Skandal weit über Dortmund hinausgeht. Denn Envio hat vermeintlich gesäubertes Altmaterial in die ganze Welt weiterverkauft. Allein in Deutschland hat Envio 22 Betriebe beliefert. Und am Wochenende wurde öffentlich, dass PCB belastetes Material gefunden wurde, das aber als PCB-rein deklariert war.

Doch Envio bleibt selbstbewusst: Man gehe davon aus, “dass die Belastungen auf dem Betriebsgelände nur temporär aufgetreten“ seien. Und man wolle den „Geschäftsbetrieb wieder vollständig aufnehmen.“

Zynischer geht es kaum.