close
Das 40.Weltwirtschaftsforum in Davos

Das 40.Weltwirtschaftsforum in Davos

1. Februar 2010Wirtschaft

In Davos ist gerade das 40. Weltwirtschaftsforum zu Ende gegangen. Eines der Hauptthemen war die Kritik an den Bankern. Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft haben in scharfen Tönen über die Geldinstitute diskutiert. Bis heute ist die Branche glaubwürdige Reformvorschläge schuldig geblieben. Es werden lautstark staatliche Grenzen und Kontrollen gefordert. Die Kritiker sagen solche Eingriffe würden die Eigentumsrechte verletzen. Die Befürworter kontern, dass der Staat doch ohnehin überall eingreife und nennen als Beispiel die CO2-Emissionen oder die Prostitution.

Die Krise sei keine marktwirtschaftliche Krise gewesen, sondern eine der Finanzbranche. Es ist keine Frage des Systems, vielmehr eine des Verhaltens, weiß Ben Verwaayen, Chef von Alcatel. Hinter den Kulissen ist für die Bankenbranche reine Verachtung zu spüren, was so natürlich nicht proklamiert wird. Die einhellige Meinung ist, dass die Banker nichts aus der Krise gelernt hätten und keinerlei Veränderung in Sicht ist.

Josef Ackermann, Vorstand der Deutschen Bank warnte vor zu viel Regulierung was bei dem Auditorium blanke Empörung auslöste. Werner Wenning, Chef von Bayer und Mitglied des Deutsche Bank Aufsichtsrates weiß, dass man in der Branche nicht in der Lage ist, die gesellschaftliche Veränderung, die auch in besonderem Maße die Banken betrifft, wahrzunehmen. Der Wirtschaftshistoriker, Niall Ferguson, sagt, dass die Banken ein extremes PR-Problem haben und nicht einmal in der Lage sind eine ordentliche Fehleranalyse durchzuführen.

Die Selbsteinschätzung der Banken scheint aber nicht zu funktionieren. Kürzlich hatte der britische Finanzminister, Alistair Darling vorgeschlagen, dass man eine Steuer auf Boni-Zahlungen einführen wolle, nicht um die Steuereinnahmen zu erhöhen, sondern um diese Zahlungen zu unterbinden. Die englischen Banken entgegneten und wollten lieber die Steuer zahlen, die sie dann wiederum auf alle Mitarbeiter, auch außerhalb Englands umlegen wollten.

Wie es scheint ist dies aber ein Kampf gegen Windmühlen, denn die Branche verstehe anscheinend nicht, dass sie reguliert werden müsse. Sinnvoll wäre, so Shumeet Banerji, Chef von Booz & Company, dass sich die sechs größten Banken an einen Tisch setzen und gemeinsam beschließen, dass nur noch Gelder an Spitzen-Mitarbeiter und Aktionäre ausgeschüttet werden, wenn diese auch kapitalgedeckt sind.
(Quelle: Welt)