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Bundesbank-Chef Weber kritisiert höhere Inflationsziele scharf

Bundesbank-Chef Weber kritisiert höhere Inflationsziele scharf

Der Chef der Bundesbank, Axel Weber, äußert harsche Kritik an dem IWF-Vorschlag in Zukunft bis zu vier Prozent Inflation zuzulassen. Weber sagte, dass der Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) das Spiel mit dem Feuer und grob fahrlässig sei.

Das Schreck-Gespenst der Inflation geht um und Axel Weber bekommt es mit der Angst zu tun. Weber kritisiert den Vorschlag des IWFs auf das Schärfste. In einem Gasteintrag bei der „Financial Times Deutschland“ schreibt Weber, dass der IWF mit dem Feuer spiele.

Das EZB-Ratsmitglied schreibt weiter, der Vorstoß wäre inhaltlich nicht überzeugend, dass Notenbanken künftig höhere Inflationsraten hinnehmen sollen. Oliver Blanchard, Chef des Internationalen Währungsfonds hatte erst vor Kurzem geäußert Inflationsraten nicht mehr bei zwei Prozent zu deckeln, sondern bis zu vier Prozent zuzulassen. Sein Vorschlag hatte als Hintergrund, dass Notenbanken bei höheren Inflationsraten den nominalen Leitzins auch höher ansetzen könnten und somit in Zeiten von Krisen deutlich mehr Spielraum für eine gelockerte Geldpolitik hätten. (wir haben berichtet)

Dieser Annahme hat Weber widersprochen, er sagte, dass die Flexibilität der Geldpolitik zu Krisenzeiten nicht nennenswert eingeschränkt gewesen wäre. Die Notenbanken würden über mehr Instrumente als den Zins verfügen, um unterstützend in die Wirtschaft einzugreifen. Die historischen Liquiditätshilfen seien während der Krise fast wichtiger gewesen.

Außerdem wäre der Nutzen einer höheren Inflation im Vergleich zum Schaden eher geringer anzusehen. Desweiteren mahnte er, dass eine solche Diskussion die Sorgen vieler Menschen, sich einer höheren Inflation ausgesetzt zu sehen, anheizen würde. Weber kritisierte weiterhin, dass der IWF die über viele Jahre erlangte Glaubwürdigkeit der Geldpolitik auf dem Altar der Bewältigung der Krise zu opfern.

Axel Weber wird derzeit als einer der Kandidaten gehandelt, die im nächsten Jahr zum Nachfolger des aktuellen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet werden könnten. Die Bundesregierung hat dem Bundesbank-Chef schon in den vergangenen Wochen immer wieder den Weg zur EZB geebnet. Desweiteren kritisiert auch die Bundesrepublik die Vorschläge einer höheren Inflationsrate. Steffen Kampeter, Finanzstaatsekretär, sagte unlängst, dass dies lediglich eine private Meinung des Internationalen Währungsfonds sei. In der Stabilitätskultur des Euros werden solche Vorschläge auf Widerhall stoßen.