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Biosprit: Tankstellen locken mit Preisnachlass bei E10 – Zwischen Fabel und Marktkampf

Biosprit: Tankstellen locken mit Preisnachlass bei E10 – Zwischen Fabel und Marktkampf

Bild: ##http://www.flickr.com/photos/verzo/4867552730/sizes/m/in/photostream/##Roberto Verzo
Die Mineralölkonzerne senken an vielen Tankstellen derzeit die Preise für den Biosprit E10. Das geschieht aktuell testweise, was die Automobilverbände aufhorchen und bemängeln lässt, dass der Autofahrer kein Testobjekt sei. Der umstrittene Biosprit wird von der Mehrheit der Autofahrer nicht gekauft und findet in der Bevölkerung nur wenig Akzeptanz. Die Bundesregierung hatte bei Einführung des Biosprits ein massives Aufklärungs- und Kommunikationsproblem. Da kann auch der Benzingipfel mit seinem Ergebnis, dass an den Tankstellen besser aufgeklärt werden soll, nicht drüber hinwegtäuschen.

Die Tankstellen informieren auch nicht aktiv über E10. Das war einmal mehr Wunschdenken der Politiker. Wer dieser Tage an der Kasse einer Tankstelle bezahlen will, wird auf eine von der Bundesregierung veröffentlichte Broschüre zum Thema E10 stoßen. Die Broschüre zeigt auf drei Seiten auf, wie schön die Welt mit sauberem Sprit sein kann. Stellung zu eventuellen Schäden, die an den Fahrzeugen entstehen können, die mit dem neuen Sprit betankt werden, sind allenfalls rudimentär erwähnt. Das war dann aber auch schon die gesamte Aufklärung.

In der Bevölkerung kommt diese Form der Aufklärung nicht wirklich an. Viel zu groß ist die Angst davor, das teuer gekaufte Auto aufgrund des Betankens mit dem neuen Biosprit kaputt zu machen. Denn von den Herstellern ist noch immer keine konkrete Aussage zu erhalten, welche Fahrzeuge tatsächlich unbedenklich mit dem neuen Kraftstoff betankt werden können. Und so wundert es auch nicht, dass an vielen Tankstellen in der Republik derzeit das Super Benzin sehr knapp wird.

Der Bürger gibt lieber ein paar Cent je Liter mehr aus als in Angst davor zu leben, sein Fahrzeug zu schädigen. Ein weiteres Problem der Mineralölkonzerne ist die Überproduktion von E10. In den Raffinerien wird derzeit 80 Prozent E10 und 20 Prozent Super Benzin produziert. Problematisch, wenn E10 eben nicht verkauft wird.

Ob da ein Preisnachlass helfen wird ist fraglich. Der Preisnachlass kommt ohnehin von den Mineralölkonzernen, die ihre mit E10 zum bersten gefüllten Vorratskammern wieder leer bekommen wollen. Von Seiten der Bundesregierung ist allerdings bislang kein Preisnachlass in Sicht, dabei erhebt sie auf einen Kraftstoff der mit 10 Prozent Bioethanol versetzt ist, noch immer die gleiche Höhe der Mineralölsteuer. Hier wäre es nur logisch, wenn ein entsprechender Preisnachlass gewährt würde.

Derzeit ist dem Bürger eben nicht mit politischem Gejaule beizukommen. Nach einer Studie, die im „Spiegel“ veröffentlicht und vom ADAC durchgeführt wurde, verweigern aktuell 85 Prozent der Autofahrer den neuen Kraftstoff. Hier ist ganz klar zu sehen, dass sowohl die Politik und die Mineralölkonzerne sowie die Hersteller eine mangelhafte Aufklärung betrieben haben und auch weiter betreiben. Die meisten Bürger sind offensichtlich dermaßen verunsichert, dass sie den vermeintlich günstigen Biosprit meiden und lieber tiefer in die Tasche greifen, um das „alte“ Super Benzin kaufen.

Aktuell gehen Experten davon aus, dass gerade einmal zehn Prozent aller Fahrzeuge hierzulande mit dem neuen Kraftstoff nicht zurechtkommen. Ob diese Zahl stimmt oder mehr aus Marketinggründen die Runde macht, ist derzeit nicht nachvollziehbar. Letztendlich scheint die Mineralölindustrie in Deutschland diesmal lernen zu müssen, dass der Kunde an der Zapfsäule entscheidet und nicht alles mit Zwang durchgesetzt werden kann.