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Berufsunfähigkeitsversicherung: Gute Tarife für unwissende Kunden

Berufsunfähigkeitsversicherung: Gute Tarife für unwissende Kunden

Die Landläufige Meinung ist, dass die meisten Menschen durch einen Unfall berufsunfähig werden. Weit gefehlt, denn in den seltensten Fällen ist ein Unfall der Grund für eine Berufsunfähgikeit. Gerade einmal zehn Prozent der Berufsunfähigkeiten kommen durch einen Unfall zustande.

Knapp ein Drittel der Berufsunfähigkeiten wird wegen psychischer Probleme ausgelöst. Immerhin ein Viertel aller Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können leiden an Nervenkrankheiten oder Erkrankungen des Bewegungsapparates. Auch Krankheiten, die im Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System oder den Atemwegen stehen führen häufig zum Verlust der Arbeitsfähigkeit.

Die Ratingagentur Morgen & Morgen hat gerade ihr neuestes Rating zu Berufsunfähgikeitsversicherungen veröffentlicht. Insgesamt wurden dabei 384 Tarife zur Berufsunfähigkeit (BU) von 82 Versicherungsgesellschaften verglichen. Daraus geht hervor, dass die meisten Versicherer in den wenigsten Fällen Verträge ganz ablehnen, weil Vorerkrankungen bestehen. Trotz bestehender Vorerkrankung werden 76 Prozent der Anträge ohne weitere Einschränkungen angenommen. Zu erschwerten Bedingungen, also mit Ausschlussklauseln (in den meisten Fällen) oder mit Beitragserhöhungen belegt, werden 15 Prozent der gestellten Anträge. Eine komplette Ablehnung von Seiten der Versicherer kommt nur in 4,7 Prozent aller Fälle vor.

Von den Versicherern haben ca. 17 Prozent im Teilrating Kompetenz die Höchstnote erzielen können. In diesem Teilrating wird die Kundenorientierung im Bereich des Antragsprozederes, bei juristischen Konflikten, der Bestandsführung, der Erfahrung im Bereich BU und der Vorgehensweise im Leistungsfall bewertet. Stolze 76 Prozent haben im Teilrating Bedingungen die Bestnote erzielen können. Anmerkung der Redaktion: Allerdings wird in diesem Bereich eine Bedingung gar nicht bewertet. Wer sechs Monate ununterbrochen arbeitsunfähig ist, erhält eine Leistung aus der BU. Diese Bedingung wird wohl auch nicht zum Rating herangezogen, weil diese derzeit nur von einem Versicherer deutschlandweit angeboten wird.

Problematisch ist die Kundenseite. Etwas mehr als 50 Prozent hat derzeit keinen Berufsunfähigkeitsschutz und 81 Prozent sind sich nicht einmal im Klaren darüber, was Berufsunfähgikeit überhaupt bedeutet. So eine Forsa-Umfrage, die von der Versicherungsgesellschaft HDI-Gerling in Auftrag gegeben wurde. 52 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass im Falle einer Berufsunfähigkeit der Staat für sie sorgen würde. Allerdings ist dies ein Irrglaube, denn der Staat hat die Leistungen schon vor Jahren stark zurückgefahren und zudem die Bedingungen für ein Zustandekommen der Leistung drastisch verschlechtert.

Darüber hinaus kommt hinzu, dass eine Vielzahl an BU-Anträgen falsch oder teilweise nicht richtig ausgefüllt sind. Krankheiten verschwiegen oder falsch angegeben werden. Dies führt im Versicherungsfall zur Leistungsfreiheit des Versicherers. Mit dem neuen überarbeiten Versicherungsvertragsgesetz wurden zwar die Bedingungen hinsichtlich der Beweispflicht umgedreht, jedoch gilt immer noch, dass nicht erwähnte oder falsch beschriebene Vorerkranken zur Leistungsfreiheit der Versicherungsgesellschaft führen und unter den Verdacht des Versicherungsbetruges fallen.
(Quelle: Morgen & Morgen)