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Benzin beim Discounter: Witz oder Zukunft – Brüderle verhöhnt Bevölkerung

Benzin beim Discounter: Witz oder Zukunft – Brüderle verhöhnt Bevölkerung

Bild: ##http://www.flickr.com/photos/dustpuppy/5194496/sizes/m/in/photostream/##dustpuppy
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle äußerte die Idee, dass Lebensmitteldiscounter künftig auf dem Mineralölmarkt eine Rolle spielen sollten. Aufgrund der stetig steigenden Benzinpreise ist er der Meinung, dass ein Verkauf von Benzin über Discounter den Markt regulieren könne.

Was wie ein Scherz anmutet scheint jedoch der volle Ernst des Wirtschaftsministers zu sein. Mitten im Winter, wo es eigentlich kein politisches Sommerloch gibt, hat Brüderle diesen Vorschlag geäußert, den niemand in der Republik so wirklich ernst nimmt.

Brüderle will die Marktmacht der Ölkonzerne durchbrechen. Allerdings mutet sein Vorschlag schon sehr abwegig an. Wäre ein Einstieg in den Benzinhandel für Discounter in Deutschland tatsächlich ein interessantes Geschäftsfeld, hätten Aldi, Lidl und Co. schon längst entsprechende Zapfsäulen neben den Flaschenrückgabeautomaten stehen.

Vielleicht hat Brüderle auch vergessen oder weiß gar nicht, dass Tankstellen nicht aufgrund des Verkaufs von Benzin wirtschaftlich überleben sondern hauptsächlich von teuren Verkäufen in ihren angeschlossenen Shops.

Brüderle will anscheinend dem Beispiel Österreichs folgen. Dort kann man zeitweise bei dem Aldi-Süd-Ableger Hofer sehr günstig Kraftstoff tanken. Hier gibt es massive Preisnachlässe, denn Benzin kostet an den entsprechenden Zapfsäulen zeitweise 99 Cent je Liter.

Brüderle erhofft sich durch die Umsetzung seines Vorschlags, dass mehr Wettbewerb in den Markt kommen würde, der dann die Preise nach unten drückt. Allerdings scheint der Bundeswirtschaftsminister einen entscheidenden Faktor zu vergessen. Der Sprit in Deutschland ist nicht so teuer, weil die Ölmultis die Preise hoch halten sondern die Bundesregierung erhebt einen steuerlichen Anteil von insgesamt knapp 60 Prozent auf Kraftstoffe. Bei einem Preis von 1,50 Euro je Liter fließen 89,4 Cent an die Bundesregierung. Jedem Vorschüler leuchtet ein, wie man einen günstigeren Kraftstoffpreis in Deutschland erzielen kann, denn der steuerliche Anteil ist mehr als ein Schlag in des Volkes Gesicht, zumal die Mehrwertsteuer beim Benzinpreis auch auf die Mineralölsteuer erhoben wird. In einem Land, in dem Doppelbesteuerung verboten ist, scheint eine Steuer auf Steuern kein Problem zu sein.

Es stellt sich vielmehr die Frage ob ein Wirtschaftsminister, der anscheinend nicht mal die Zusammenhänge der Preisbildung beim Benzinpreis kennt und öffentlich Vorschläge äußert, die in weiten Teilen der Bevölkerung nur Kopfschütteln und Axelzucken auslösen, überhaupt noch tragbar ist für die Bundesrepublik.