Entführung in Storkow: Analyse: Politisches “Zusatz-Motiv” und Tätergruppe?

Eine logische Analyse des Geschehens ergibt:
Die Entführung in Storkow ist kein normales Verbrechen, der Entführer ist kein normaler Krimineller und das Motiv nicht nur das Geld.

(Vorbemerkung: Bei den Opferfamilien ist eine Rückzugstendenz zu erkennen, da-her wird die erste Opferfamilie anonymisierend  “Bad Saarow-Familie” genannt und die zweite ebenfalls nach dem Wohnort “Storkow-Familie”.)

Sowohl RAF als auch NSU verübten Verbrechen zur Geldbeschaffung. Sobald es aber vom Raub zur Entführung übergeht, sind Hintergrundmotive nur schwer  zu verbergen. Als damals der Arbeitgeberpräsident entführt wurde, wußte man auch schon vor der Erpresserbotschaft Bescheid um was es hier geht.

Die Vorgeschichte im Fall der Bad Saarow-Familie zeigt hier eindeutig eine bestimmte Form von Feindschaft. Diese könnte hier alleine noch viele Ursachen haben. In Frage kommt z.B. persönlicher Hass eines Ex-Mitarbeiters oder Benachteiligten bei Immobiliengeschäften. Aber wenn diese Verbrechen plötzlich die Vorgeschichte zur Entführung in der Storkow-Familie darstellen, dann tritt das andere mögliche Hauptmotiv in den Vordergrund, ein politisch/ideologischer Hass und das Opfer ist darin Vertreter einer Gruppe.

Es gibt Leute, die nehmen diese beiden Unternehmer als “Spekulanten” wahr. Das erklärt aber noch nicht diesen lokalen Bezug und weshalb in diesem lokalen Umfeld diese beiden Unternehmer solcher politischer Hass entgegenschlägt.

Politische Verbrecher suchen sich Ziele mit großem Symbolgehalt, richtig herausragende Vertreter einer verhassten Gruppe. Und bisher erfolgte auch stets ein klares politisches Bekenntnis. Seit NSU muss man hier umdenken, diese Gruppe vermied Bekennerbotschaften. Für diese Gruppe war es ein Gewinn, wenn ein “ethnischer Feind” weniger hier war und die anderen eingeschüchtert waren.

Und an genau dieses Prinzip ist auch hier zu denken. Diese Verbrechen weisen Merkmale von Anschlägen politischer Gruppen auf. Über die Ethnie der beiden Opferfamilien möchte ich hier keine Gerüchte verbreiten. Aber so wie Hitler einst das “Finanzjudentum” zum Feind erkoren hatte,  oder die Inquisition “Hexen und Ketzer”,  aber es dann nicht mehr so genau nahm, wer weshalb da nun zugeordnet wurde, so wurden diese beiden Unternehmer wohl zuerst in einen Topf eines politischen Feindbilds geworfen und dann angegriffen.

Wobei der Angriff auf die Bad Saarow-Familie klare Züge von offener Feindschaft und Vertreibungswünschen aufweist und genau dazu kam es ja auch.

Hier will eine Gruppe die sehr wahrscheinlich rechtsextremistisch einzuordnen ist Angehörige ihres Feindbilds terrorisieren und vertreiben. Dass angebliche Hexen und Ketzer und Juden daneben natürlich auch ausgeraubt wurden, war ein willkomener Nebeneffekt für die Täter, aber das ursprüngliche Motiv lag in einem religiösen Feindbild.

Und für genau diese Konstellation spricht auch hier vieles. Eine Gruppe, eine politisch extreme Terrorzelle, eine kriminelle Vereinigung mit einem ideeologischen Feindbild. Das Geld scheint hier eher ein “Mitnahmeeffekt” zu sein.

Und schaut man jetzt wie die “normale Mafia” Verbrechen begeht, dann haben die ihre Auftragstäter, die kommen aus ihrem Rückzugsgebiet, werden von den Leuten vor Ort mit Insiderkenntnissen eingewiesen, begehen dann so, als ob sie selbst Insiderkenntnisse hätten, ein Verbrechen und tauchen dann wieder völlig spurlos ab. Was die Polizei verwirrt, denn bei der Tat gab es doch so viel Insiderwissen, der Täter wird doch in der Nähe angenommen. Dort jedoch gibt es nur jene Hinterleute, die Geld, Logistik, Insiderwissen etc. beigesteuert haben, aber die keine DNA oder sonstige Spuren hinterlassen haben und die natürlich alle ein tolles Alibi für die Tatzeit haben.

Deshalb muss endlich die Fahndung vernünftig ausgerichtet werden.

Es macht wenig Sinn darum herumzureden, wo die Elite der deutschen Profiler ihren Meister gefunden hat. Das zeigte sich im Fall Michelle, Fall Lena, Fall Bögerl, Fall Mirco, Bodenseetaximord u.a.

Dieses Verbrechen weist Merkmale eines politischen Hintergrunds auf. Und ohne das als fixe Idee nun unkritisch absolut zu setzen muss aber auch schon vor dem letzten Beweis diese profilerische Analyse in der Fahndung Beachtung finden, nach dem Motto: Das eine tun und das andere nicht lassen.

Weder kann man eine erst “gut begründetet Hypothese” spekulativ bereits zur Realität erklären noch kann man krampfhaft die Augen vor dem Naheliegenden verschliessen, nur weil bisher der endgültige Beweis fehlt.

Manchmal kann man eben wirklich etwas versäumen, wenn man einer gut begründeten Arbeits-Hypothese versucht krampfhaft auszuweichen. Sie erst ernst zu nehmen und zu überprüfen wenn sie bereits beweisen ist,  wäre Nonsens und kann zu Versäumnissen führen die Menschenleben kosten können.

Einfach der richtige Umgang mit einer naheliegenden Hypothese, die alle nun im Hinterkopf behalten sollten, wenn versucht wird die Tat zu rekonstruieren.

Hier gab es

  • Motive
  • Insiderkenntnisse 
  • Spuren der Tat

Aber das muss eben NICHT ALLES IN EINER PERSON VEREINT VORLIEGEN !!!

Ein geistiger Kurzschluss wäre es,  blind für Naheliegendes so lange vor Wahrscheinlichkeiten die Augen zu verschliessen, bis der letzte endgültige Beweis dafür vorliegt. Sowas ist genauso falsch wie wild und ohne Realitätsbezug herum zu spekulieren.

Hier spricht ausreichend viel für politische Motive und eine Gruppe im Hintergrund wie die NSU, um das anzusprechen.

Es darf in der Fahndung kein toter Winkel zugelassen werden, indem klare Wahrscheinlichkeiten ignoriert werden. Ein Prozeß braucht 100 %ige Beweise sonst geht es im Zweifel für den Angeklagten. Eine FAHNDUNG jedoch muss lediglich PLAUSIBEL sein, manche Beweise findet man überhaupt nicht, ohne zuerst einem überzeugenden ANFANGSVERDACHT nachzugehen.

Eine Gruppe die sich so stark fühlt und die Zeit für gekommen ansieht, ihre Region “zurückzuerobern”, eben durch solchen Terror, mit dem sie  die “Bad Saarow-Familie” schon ganz real vertrieben hat und nun die  ”Storkow-Familie”  “die Nächste” zu sein scheint.